Rückblicke - Erinnerungen - Bilder

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Inhalt
Vorwort
1 Fund eines alten Wasserrohres
2 Wem bes dou da Hausnamen
3 Häuser - Höfe - Straßen
4 Dörfliche Stille: Vom bäuerlichen Alltag und den Geräuschen, die das Tagwerk begleiten
5 Zum Feld- und Viehbesitz vor 1940
6 Bäuerliche Arbeit im Laufe des Jahres
7 Bräuche und Feste im Jahreslauf
8 "Wat lairet?" - Die Kapelle und die Kirchenglocken
9 Gerje Marie, die Zelser Krankenpflegerin
10 Friene gieh
11 Rund um den Zelser Backes - Brotbacken und anders mehr
12 Die Zelser Bach und die alte Bauernmühle
13 Kinderspiele auf der Dorfstraße
14 Freizeitvergnügungen der Dorfjugend
15 Die Irrfahrt des kleinen Hermann
16 Mundart, Hochdeutsch, Altgriechisch und mehr
17 Schule und Schulphotos
18 Die "Kolonialwarenläden" in Zilshausen , die Post und andere "Pöstchen"
19 Zwei Hunsrücker Originale
20 Gaststätten in Zilshausen
21 Dörfliche Berufe und das "soziale Netz" vor 1940
22 Handwerks- und Fabrikationsbetriebe in Zilshausen
Ausklang - Alt-Zelser Mundartausdrücke aus dem Text

2.

"Wem bes dou da?"

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Bericht über die alten Hausnamen im Dorf
vorgetragen am ersten Seniorentag im neuen Bürgerhaus

Durch die Beschäftigung mit dem alten Wasserrohr, das beim Bau des Bürgerhauses gefunden wurde, ist ein Stück Dorfgeschichte aus der Vergangenheit aufgetaucht. Und wenn die älteren Mitbürger ihre Erinnerungen an Brunnenstuben, Brandweiher und vieles andere erzählten, wurde uns deutlich bewußt, daß uns nur noch sehr wenig Zeit bleibt, etwas von dem zu erfahren und aufzuschreiben, "wie et frea su woar" in unserem Dorf und was inzwischen unwiederbringlich verschwunden ist.

Wir sind nämlich die Letzten, die sich noch an so manches aus früheren Tagen erinnern können, denn in unserer Zeit haben sich die Verhältnisse und Lebensumstände radikaler gewandelt als je zuvor innerhalb eines Menschenlebens. Während sich im bäuerlichen Leben jahrhundertelang nur sehr wenig verändert hat, vollzog sich in den letzten Jahrzehnten die technische Entwicklung und damit die Umwandlung der gesamten Lebensweise in rasanten Schritten.

Der Weg ging

  • vom Ollischlicht - bis zur komputergesteuerten Beleuchtungsanlage,
  • von da Keh vierem Plooch un dem Waan, mit denen man stundenlang brauchte, um die kleinen Felder zu erreichen und zu beackern - bis zum klimatisierten Super-Traktor mit Radio, der an einem Tag mehr Land bewirtschaften kann, als mehrere Bauern zusammen zu unserer Kinderzeit überhaupt besaßen,
  • und vom Strooße gie - bis zum Fernsehen ...

Der Weg ging Jeder kennt diese und hundert andere Beispiele. - Man hat eine ganze Menge Anpassung, Umlernen und Fortschritt von uns verlangt!

Eine der auffallenden Veränderungen im Dorfleben ist, daß die alten Hausnamen mehr und mehr verschwinden.
Wir haben deshalb einmal versucht, den Bestand der Häuser von Zilshausen um das Jahr 1940 und ihre alten Hausnamen aufzuzeichnen.

In meiner Kindheit verbrachte ich fast alle Ferien in Zelse, und es scheint mir interessant, daß ich zwar fast jeden Hausnamen, aber kaum einen "richtigen" Familiennamen kannte.
  Wenn ich damals gefragt wurde:"Wem bes dou da?"
  dann war die Antwort:"Hiestasch Toni sei Mädche"
  Und wenn später mein Mann gefragt
  wurde, machte es ihm Spaß zu sagen:
"Hiestasch Toni seinem Mädche seine Mann"

Um den Namen eines Dorfbewohners in unserer Gegend zu erfahren, konnte man - bis vor wenigen Jahren - zwei Fragen stellen:
  "Wie nennt ma die?" oder "Wie schräiwen die sich?"

Der "richtige" Familienname war also eigentlich nur dann wichtig, wenn man ihn schreiben mußte, also:
  wenn man ein amtliches "Schräiwes" unterzeichnen mußte,
  wenn man von Amts wegen "erfaßt" oder eingetragen wurde (wegen Steuern z.B.)
  oder wenn man einen schriftlichen Vertrag machte oder einen Handel übers Dorf hinaus betrieb.

Innerhalb des vertrauten Dorfalltags genügten der Vorname und der "Hausname", d.h. der Name, der unabhängig vom jeweiligen Besitzer zum Haus gehörte und sich auf die ganze Familie übertrug.

Am häufigsten ist der Hausname vom Vornamen des Erbauers abgeleitet oder von einem Vornamen der traditionsgemäß besonders oft in der Familie vorkam. (vgl. Piddasch Peter = den Peters ihr Peter.)
Beispiele für solche von Vornamen abgeleitete Hausnamen sind in unserem Dorf besonders häufig:
 Gerje (Georg) Mainats (Meinhard?)
 Gerjehannese Nicolais
 Hanspittsches Kläse
 Philippsches Andrise (Andreas)
 Dinnes (Anton) Johannsches
 Franze Kaspasch
 Weatsjokobs (Wirt ...?) Borjels (Walburga)
 Hanjupps Hammesklose (Hannes ? Klaus)
 Piddasch Meades (Martin)

Oft sind die ursprünglichen Namen auf den ersten Blick kaum wiederzuerkennen oder eindeutig zu bestimmen, weil sie im Laufe der Zeit vielfältig abgewandelt und "verballhornt" wurden.
Kommt  TheisenvonMatthias?
 Seimentsvon Simon?
 Konatsvon Kuno?
 Schweggats  von   Swidger oder Swidbert?
 Zillesvon Zyriakus?
 Zirwesvon Servatius?
 Perkatsvon Pankratius?

Meistens nahmen die Kinder (Söhne) auch dann den zum Hausnamen gewordenen Vornamen mit, wenn sie ihrerseits ein neues Haus bauten und einen Hausstand gründeten. Um die gleichbenannten Häuser zu unterscheiden, wurde dem Hausnamen dann oft ein besonderes Kennzeichen hinzugefügt. Es betraf zum Beispiel die Lage der Häuser (Onne Franze - Owwe Franze, Hiestasch - Backes-Hiestasch) oder den Beruf des Besitzers (zum Beispiel Schmitt-Klose).

Außer auf die Vornamen beziehen sich die Hausnamen - wie ja auch die eigentlichen Familiennamen - oft auf
   die Berufe der Besitzer z.B. Säiats (Schweinehirt)
Säischnäirasch (Ferkelbeschneider)
oder Schmittklose
   auf ihre Herkunft z.B. Leja Pidda (Peter aus Lieg)
   auf eine Eigenart oder einen
"Übernamen" des Besitzers
z.B. Langs
   auf eine Eigenart oder die Lage des Hauses z.B. Furte
   oder später auf den mitgebrachten Familiennamen eines neuen oder eingeheirateten Besitzers

Unklar bleibt der Ursprung des Dorfnamens Zilshausen, der sich im Laufe der Jahrhunderte immer wieder veränderte:
  1346   Zullinshausen (erstmals in einer Aufforderung zur Zinszahlung erwähnt)
  1569  Sultzhausen
  1780  Zilzhausen
  1830  Zülshausen

Ist er ursprünglich von dem christlichen Vornamen Zyriakus (wie die Treiser Zilleskapelle) abgeleitet, oder hat er mit Sulz ( = Salzwasser) und Sumpf zu tun?

Die eigentlichen Familiennamen für das Volk wurden in Deutschlands erst um 1200 eingeführt (die Entwicklung der Städte, der Stände und des Handels machten sie nötig).Sie entstanden wie die Hausnamen aus: Vornamen, Berufs-, Orts- oder Herkunftsbezeichnungen oder Personeneigenschaften oder örtlichen Besonderheiten.
Der Wandel vom Gebrauch der alten Hausnamen zu den offiziellen Familiennamen passierte im Dorf zuerst nur in Einzelfällen oder ganz allmählich.
   Ein Beispiel:
Piddasch Karl war der Karl Michels aus Lahr, der in der Schreinerei von Piddasch
(Ketter) Lehrling war und die Tochter Karola heiratete.
Das von den beiden 1949 neuerbaute Haus hieß demgemäß Piddasch Karl oder (meistens)
Piddasch Karola sei Haus.
Erst viele Jahre später wurde aus dem längst selbstständigen Schreinermeister (meistens)
wieder Michels Karl und noch später aus Piddasch Karola
Michels Karola und das Haus heißt jetzt (meistens!) Michels.

Auch auf den eingeheirateten Mann wurde also der Hausname übertragen; und erst in den letzten Jahrzehnten wird er, noch später auch seine Frau, unter seinem eigentlichen Familiennamen geführt.

Heute wissen die jungen Leute kaum noch, wer gemeint ist, wenn von den alten Hausnamen die Rede ist. Kein Wunder: Die dörfliche Abgeschiedenheit und Vertrautheit ist vorbei.

Wir wollen deshalb die alten Hausnamen, so lange sie bei uns Alten noch lebendig und selbstverständlich sind, hier in der Chronik festhalten und in den folgenden Aufsätzen auch bevorzugt benutzen.
Die fortlaufenden Nummern in der Skizze und den folgenden Tabellen entsprechen weitgehend den damaligen fortlaufenden Hausnummern von Zilshausen und Petershausen.
Über die Einführung der neuen Straßennamen und Hausnummern im Jahre 1976 wird in der Chronik (1976) berichtet.
Bis zu der Erweiterung und der neuen Straßenbenennung gliederte sich das Dorf in Oberdorf, Unterdorf und Kirchweg. Die heutige Hauptstraße von der Schule bis zum Backes samt den kleinen Abzweigungen war das "Ewwadorf", die heutige Kapellenstraße mit den Nebenwegen "Im Eck" und "Weiherfurt" das "Ennadorf", der "Kirchweg" führte von der "Backeskier" in Richtung Petershausen und hatte nur einen Nebenweg, die "Furt". Zwischen Oberdorf und Unterdorf verlief der "Balneck", heute "Balduinseck", vom Backes in Richtung des heutigen "Höhenwegs", damals "Of da Hieh", auch "Hennich da Häisa".

Verlorengegangen sind leider die alten Hauszeichen, die wohl jahrhundertelang als Kennzeichen und ursprünglich wohl auch als Unterschrift für unsere des Schreibens nicht kundigen Vorfahren gegolten haben. Als "gemaane Liesa" wurden sie in einem Lederbeutel im Backes aufbewahrt und zum Auslosen - etwa der Reihenfolge beim Backen - benutzt.
Seit der Zerstörung des alten Backes in den letzten Kriegstagen sind sie verschollen.

Häuserbestand in Zilshausen etwa 1940

Nr.Hausname (Foto - bitte anklicken)Familienname Heutiger Name
1999
 etwa 1945
 OBERDORF 
1Gerjehannese / BirschingerCorneliCorneli / Kochhan
2Piese-PiddaschPies / Birkenheier(vermietet)
3PieseHiester / KävenheimKävenheim
4DinnesPiesPies
5HanspittschesMalmannMalmann
6PhilippschesPhilippsen / Zimmer(abgebrannt)
7Kippasch / SäischnäiraschZilles / KipperKipper
8Owwe-FranzeHiesterWeirich
9BuscheBuschEtzkorn
10Hammesklose / Hiestasch / "Dieze"Hesser 
11Weins / Backes-WeinsWendlingWendling
 BALNECK 
12KonatsWendling / SchugSchug
13Werz-JakobSchmitt-EscherEscher
14HanjuppsSteffens(vermietet)
15PiddaschKetterKiesgen
16SchreinaschPhilippsenStreit
17MeinatsMeinhard / WeinsWeins
18HiestaschHesserBöhmer
 UNTERDORF 
19SchwäizaschSchweizerReimann/Münning
20NikolaisNikolayNikolay
21Weins Junge(Gebrüder) WendlingHildebrand
 IM ECK 
22SäiatsOster(steht leer)
23EckeseEckesEckes
24WeinemsWeinemKaltofen
25Bauasch / SchweckatsBauer / Börsch / EtgesKaspers + Franz
 UNTERDORF 
26Perkats / Borjels ( = Walburga)ZimmerLiesenfeld
27BremmeBremm/ReifenschneiderReifenschneider
28KlanaschesBrodamKramer
29DoreseMorsch / SchönrockKemmer (vermiet.)
30BraunsBraunE. Morsch
 WEIHERFURT 
31Holzhausersch / PhilippschesPhilippsenZimmer
32WäreArendArend
 UNTERDORF 
33Brodam / Nikolais RudiMeurer 
34Zorsch MarieZornZorn
35Zorsch TraudZorn /BardenZorn
36MäiaschMeurer(abgerissen)
37Kläse PiddaKölzerE. Kölzer
38KläseScheuer(steht leer)
39KochansScholzJ. Scholz
40ÄwatsZillesKemmer
41AndriseHansen / WendlingR. Wendling
---(Kapelle) (Backes)  
 KIRCHWEG 
42JohannschesBrodamBrodam / Kochan
43LangsLang / KetterKetter / Barden
 IN DER FURT 
44FurteSteffenPlatten
45Minischs PhilippMünnich(abgerissen)
 KIRCHWEG 
46Minisch-Schosta / Leinigers MünchL. Münch
47MakaschOsterW. Oster
48KetteSeul / ScheurerScheurer
49Mertes ÄnniB. Brodam(abgerissen)
50WeinemsWeinemWeinem
51TheisensTheisenKaul
52LejaGörgenBiesenbach
 PETERSHÄUSERHOF 
53KneipKneipKneip
54Leja / SchoochsHesser / SchugSchug
55AlthauserschHäbler / EtgesReisgies
56Miese / KaspaschMiesMies
57(Pfarrhaus) Pater Behrla
58Pulja + HäblerPulgerMeinerz
 KIRCHWEG 
59SchmittkloseZillesV. Zilles
60Wäre JohannAhrendAhrend
 OBERDORF 
61Backes-HiestaschHesser / TheisenMorsch
62GerjePiesZeisler
63Onne-FranzeHiesterG. Hiester
64Onne-SeimetsGräfGräf
65DaumeWendling / KetterWagner
66Owwe-SeimetsWeins / KochhanKochhan
67SchnorreLiesenfeldLiesenfeld
68KettaschPiesKneip
---(Schule) Stiebert

In Dommershausen befindet sich seit 1992 im "Alten Pfarrhaus" ein Museum und eine Bibliothek der "Familienstiftung Pies-Archiv". Dieses Archiv besitzt u.a. eine Sammlung von Familienbüchern, die nach Familiennamen alphabetisch verkartet wurden. Darunter befindet sich eine dreibändige Ausgabe des Famlienbuchs von Lütz, in der auch alle einstigen Einwohner von Zilshausen verzeichnet sind. Interessierte Zilshausener können darin Aufzeichnungen über ihre Vorfahren bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen!

 
© 2001   M + M Böhmer, Zilshausen    (maplusma@freenet.de)
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