Inhalt
Vorwort
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1. Die Schreinerei Ketter
Auch der älteste heute noch bestehende Familienbetrieb,
die Schreinerei Ketter , heute Michels, war ursprünglich und noch vor zwei Generationen
mit einer Landwirtschaft verbunden.
Wohnhaus und Schreinerei vor
1921 |
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Seit mindestens fünf Generationen hat sich der Schreinermeisterbetrieb in der
Familie Ketter vererbt. Der Urgroßvater des heutigen Schreinermeisters K. Michels
hat das Handwerk beim Bruder seines Vaters gelernt und an seine Söhne
weitergereicht. Albert Ketter übernahm nach dem Tode seines Vaters Johann Peter
die Werkstatt, die damals - vor dem großen Brand 1921 - hinten ans Wohnhaus
angebaut war. Beim Wiederaufbau Bauernhauses wurde die Werk- |
statt als unabhängiger Bau auf der
gegenüberliegenden Straßenseite errichtet, wo sich auch das alte Bienenhaus befindet.
Albert Ketter (1893 bis 1978) war nämlich nicht nur wie seine Vorgänger ein
anerkannt guter Meister seines Fachs: Außer dem Schreinerhandwerk hat er von
seinem Vater auch das Interesse für die Imkerei übernommen. Bis zu 65
Bienenvölker wohnten in seinem perfekt ausgestatteten Bienenhaus. Auch die
Bienenzucht scheint erblich zu sein im Hause Ketter, denn sie wird auch von der
nächsten Generation (von Maria und Josef Kiesgen) noch weitergeführt.
Und noch eine dritte Passion hatte A..Ketter: seine Vorliebe für motorisierte
Fahrzeuge. Schon 1926 machte er (ein Hunsrücker Dorfbewohner!) seinen
Führerschein, besaß lange Zeit ein Motorrad und erwarb 1927 das erste Auto, das
in Zilshausen und den umliegenden Dörfern zugelassen wurde, einen "Wanderer".
Die Schreinerei florierte, und bei seinen Arbeiten in entfernteren Dörfern kam
ihm das Fahrzeug sehr zugute.
Aber es diente ihm nicht nur im Beruf und als Hobby. Oft genug wurde es auch
eine lebenswichtige Nothilfe für die Bewohner von Zilshausen und der
benachbarten Dörfer , wenn es zum Beispiel galt, einen Schwerkranken oder
Verunglückten nach Cochem ins Krankenhaus oder öfter noch - weil dort die
Behandlung für die nicht versicherten Dorfbewohner billiger war - in die
Unikliniken in Bonn oder Mainz zu transportieren. Denn Taxibetriebe oder
Krankenwagen standen damals nicht zur Verfügung. |
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Albert Ketter |
Als Albert K. 1936 ein neues Auto erwarb, einen Opel
Olympia, bat ihn sein damaliger Geselle Ernst Oster (Magasch Ernst), das alte noch ein
Weilchen zu behalten. Denn Ernst hatte gerade den Führerschein gemacht und wollte gern
hin und wieder in dem alten Auto seine Fahrkünste erproben.
Vor allem wollte er mit seinen Freunden, Franze Ernst (E. Hiester), Schugs Franz
und Eckese Richard einmal zum Nürburgrennen fahren.
Als man sich dort mit Familie Ketter traf, die im "neuen Auto" natürlich auch
bei dem Rennen dabei war, versicherte Ernst seinem Chef: " Dat Oudu es sicha! Ma
han et en de Wald gefahr on henne on via degge Staan via die Rärra gewänselt"
("Das Auto haben wir gut gesichert: Wir haben es im Wald abgestellt und vor die
Räder hinten und vorn Steinbrocken gewälzt.") |
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Der "Wanderer", das erste Auto
in der Umgegend |
Karl Michels aus Lahr war vor dem Krieg einer der letzten
Lehrjungen, die in der Werkstatt von Albert Ketter ausgebildet wurden.
Nach dem Krieg - inzwischen selbst Meister - heiratete er Karola, die zweite der
fünf Töchter seines Meisters, und baute zusammen mit einem neuen Haus zwischen
Kapelle und Backhaus eine Werkstatt, die größer und mit den neuen Maschinen und
Lagermöglichkeiten den modernen Ansprüchen angemessen war. Für ihn und seinen
Sohn Klaus war die Schreinerei nicht mehr ein Erwerbszweig neben einer
Landwirtschaft wie noch in der Generation vor ihm, sondern ein voll ausgelasteter
Meisterbetrieb. |
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Das Sägegatter aus der
Ravensmühle seit 1950 im Einsatz bei der Schreinerei Ketter |
PS:
Um 1900 gab es in Zilshausen im
Hause Nr. 24
Johann Weinem (Im Eck.) eine weitere Schreinerei
2. Der Maurerbetrieb Hiester
Neben der Strickerei und der Sargfabrik gab es nach dem
zweiten Weltkrieg in Zilshausen noch eine dritte Arbeits- und Verdienstmöglichkeit: den
Betrieb des Maurermeisters Ernst Hiester.
"Franze Ernst"wurde 1913 in "Owwe-Franze" (Haus Nr. 8) geboren. Nach der Schule lernte er ab dem Jahr 1929 beim Zelser Maurermeister Christian Eckes und machte dort nach drei Lehrjahren seine Gesellenprüfung.
Ernst Hiester und Alex Kipper
als Gesellen auf Wanderschaft |
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Dann schaffte er noch einige Zeit beim Meister in Zilshausen. Weil aber hier zu
dieser Zeit seiner Meinung nach "nicht viel los war", zog es ihn in die Fremde.
Zusammen mit Alex Kipper, der Zimmermann gelernt hatte, ging er auf die
Wanderschaft in Richtung Hannover, wo er vor allem Wehrmachtsgebäude mit aufbauen
half.
Später tat er sich in Thüringen mit einer Gruppe von drei Brüdern zu einem
Arbeitsteam zusammen, und lernte durch sie dort auch seine spätere Frau kennen.
1938 kam er dann über Kassel wieder nach Zilshausen zurück.
Zu Kriegsbeginn 1939 wurde er zum Militärdienst eingezogen, kam zuerst nach
Polen, dann nach Luxemburg, und wurde im Krieg zweimal verwundet, erst in
Frankreich, dann in Rußland.
Nach seiner zweiten Verwundung kam Ernst nach Trier in ein Krankenhaus. Von
dort wurde er als Wachmann nach Kaiserslautern entlassen und marschierte nach
Kriegsende 1945 zu Fuß nach Zelse zurück. |
1946 machte E. Hiester seine Meisterprüfung und beteiligte sich mit seinem
Betrieb (8 bis 13 Mitarbeiter) in Zilshausen und Umgebung am Wiederaufbau der
Gebäude, die durch den Krieg in Mitleidenschaft gezogen worden waren. Einer
seiner ersten Aufträge war die Wiederherstellung der durch Granatbeschuß stark
beschädigten Zelser Kapelle. Später bekam er den Auftrag, die alte Schule durch
einen Anbau zu erweitern. Das war die Zeit, wo man die Steine noch von Mann zu
Mann und Hand zu Hand nach oben bis zum Dachfirst weitergab und wo auch der
Speis nicht per Aufzug automatisch fuhr, sondern noch in einem "Speisvogel" auf
den Rücken gewuchtet und die Leitern hinaufgetragen werden musste.
Die Hiester-Kolonne beim
Anbau der Zelser Schule
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Auf seinem eigenen Grundstück baute er dann 1976 die Scheune, die er im
Nebenberuf als Bauer immer noch genutzt hatte, zu einem Wohnhaus für seinen
ältesten Sohn Reiner um. Und als dieser im Jahr 1978 mit seinem Studium fertig
war und seinen "Ingenieur" gemacht hatte, da zog sich Ernst Hiester ins
Rentnerdasein zurück. Er übergab den Baubetrieb seinem Sohn und betätigte sich
bei ihm, der diesen Betrieb auf dem alten Sportplatz zu einer ansehnlichen GmbH
weiter ausbaute, nur noch zeitweise als alterfahrene "Aushilfskraft".
Jetzt, zur "Jahrtausendwende" des Dorfes ist er -
neben Kippasch Otto - einer der beiden "alten Herren", die des öfteren als
lebendige Erinnerungsbücher und interessante Geschichtenerzähler für die Arbeit
an der Zelser Chronik herangezogen wurden.
Die Hiester-Kolonne repariert die
kriegsbeschädigte Zelser Kapelle |
3. Die Sargfabrik
In den dreißiger Jahren taten sich die Gebrüder Oster
(Peter und Philipp) mit Hermann Hesser zusammen, um in Zilshausen eine Sargfabrik
aufzubauen. Die Osters brachten ihr schreinerisches Können ein, Hermann Hesser übernahm
die kaufmännische Seite und sorgte für den Vertrieb der Särge.
- 1939, gleich zu Beginn des Krieges starb Philipp Oster als Soldat. Peter O. machte
seinen Meister, verließ Zilshausen und eröffnete in Cochem eine eigene Schreinerei. -
Die Mitarbeiter kamen teils aus dem Dorf selbst und den Nachbardörfern, teils
zogen sie von außen zu und nahmen im Ort Quartier: der Schreiner Heinz Zeisler
zum Beispiel bei "Gerje" und ein Herr Fietz, der später in Bruttig an der Mosel
eine eigene Schreinerei eröffnete, bei "Kippasch". Von Gammelshausen, einem Dorf
zwischen Kastellaun und Laubach, fuhr jeden Tag mit dem Fahrrad der "Gammelser
Jäb" herbei, um die Särge anzustreichen sowie mit Ritzungen und Verzierungen zu
versehen. Aus Lahr kam der "Suse Nikola", der neben der Malerarbeit in der
Sargfabrik im Dorf auch die Küchen und Zimmer tünchte, rollte und "bleemelte",
d.h. mit einer Musterrolle oder Schablone verzierte. Den Älteren im Dorf ist er
vor allem noch gut in Erinnerung geblieben durch seine vielen Prophezeiungen,
die er immer am Montagmorgen in der Fabrik den Arbeitskollegen vortrug: von den
"drei dunklen Tagen", der "gelben Gefahr" oder gar vom bevorstehenden
Weltuntergang. |
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Hermann Hesser |
Anfangs produzierte man die Särge in einer Baracke neben
Säiats, dem Haus der Brüder Oster
(Haus Nr. 22).
Später baute man im Oberdorf hinter
Hermann Hessers Elternhaus (Nr. 10) eine größere Fabrikationsanlage auf.
Vom Kriegsdienst wurde H. Hesser freigestellt, so daß der Betrieb während des
Krieges fortbestehen konnte. Eingezogen wurde zu Kriegsbeginn nur sein Pferd, mit dem
er nebenbei noch eine Landwirtschaft betrieben hatte. Zum Transport der Särge diente
während des Krieges ein alter offener Laster, der mit Hilfe eines Holzvergasers
angetrieben wurde. Die Fahrgeschwindigkeit - vor allem, wenn es bergauf ging - war
entsprechend langsam und stotternd, und der Vergaser musste auf der Fahrt immer wieder
mit den kleinen Holzstücken nachgefüttert werden, die man außer der eigentlichen Fracht
auf dem offenen Laster mitführte.
Wie es nach dem Kriege weiterging, daran erinnert
sich noch gut Kette Jupp (Josef Scheurer). Der hatte als letzter Lehrling beim Zelser
Schreinermeister Albert Ketter seine Gesellenprüfung gemacht und wechselte von da zur
Sargfabrik über. Technischer Leiter des Betriebs, in dem damals bis zu 40 Leute
arbeiteten, war ein Innenarchitekt namens Plaschke. Er entwarf für die Zelser Fabrik
Modelle für Möbel, die neben den Särgen zu dieser Zeit als zweiter Zweig in die
Produktion mit aufgenommen wurden. Später ging Plaschke nach München, um dort eine
eigene Fabrik aufzubauen.
Das war die Zeit vor der Währungsreform, wo das
Geld aus dem "Dritten Reich" bei Handelsgeschäften keine große Rolle mehr spielte, wo
meist nur Naturalien gegeneinander ausgetauscht wurden: Möbel aus Zilshausen zum
Beispiel gegen Wein von der Mosel. Für solche Tauschgeschäfte sorgte der in dieser
Hinsicht clevere und immer agile Hermann Hesser. Kette Jupp erinnert sich noch: "Wenn
wir mit ihm zum Fußballspielen in die Eifel fuhren, er war damals der
Sportvereinsvorsitzende, dann kam es oft vor, dass wir auf dem Rückweg an der Mosel
einen Stopp einlegten, um bei einem Weinbauern einen Kasten Wein abzuholen, der dort
für eine Möbellieferung aus Zelse noch ausstand. Es versteht sich, dass bei dieser
Gelegenheit auch unser Sieg im Fußball gehörig begossen wurde."
1952 verlief der Verkauf der Särge nur sehr
schleppend. Da fuhr H. Hesser mit seinem Lastwagen den größten Teil seiner Leute als
zeitweilige Aushilfsarbeiter zum Ami-Flugplatz Hahn. Der wurde damals gerade ausgebaut,
wodurch viele Menschen aus der Umgebung eine Verdienstmöglichkeit fanden.
Ein kleinerer Teil der Arbeiter blieb in der Zelser Fabrik und begann mit den
Vorarbeiten für ein weiteres Fabrikationsprogramm: Man wollte nämlich neben den Särgen
und Möbeln aus den anfallenden Sägespänen zukünftig auch "Klodeckel" fabrizieren. Es
wurden Leichtmetallformen hergestellt und eine Presse und ein elektrischer Ofen
angeschafft. Mit Hilfe eines "Metzgerwolfes" wurden Sägespäne und Binder kräftig
vermengt, unter Hitze in die Metallformen gepresst und in einem "Backofen" gebrannt.
Die erkalteten Teilstücke wurden später von Frauen in Handarbeit mit Masse geglättet,
feinverschliffen und schließlich mit Farbe besprüht.
Diese Klodeckel-Produktion lief bis 1955. Sie war allerdings nicht besonders
erfolgreich: Die Pressteile erwiesen sich für schwergewichtige Benutzer als nicht
widerstandsfähig genug, und auch die Spritzfarbe wurde nach einiger Zeit rissig und
sprang ab.
Ab 1956 wurden dann nur noch Särge hergestellt.
Weil sich aber deren Absatz immer mehr verminderte, beschloß Hermann Hesser 1958,
zusätzlich zur Sargfabrik ein Möbellager in Zilshausen zu errichten. Gerade als man mit
dem Auf- und Ausbau eines dafür vorgesehenen Gebäudes fertig war, da äscherte in der
Nacht zum 22. Mai plötzlich ein Feuer das gesamte Gebäude ein. Niemand konnte sich die
Ursache dieses Brandes recht erklären. Die Kriminalpolizei protokollierte einen
elektrischen Kurzschluss. (siehe hierzu den Bericht in der
Chronik)
Sämtliche Arbeiter der Fabrik mussten am nächsten Tag mit dem Lastwagen gemeinsam
nach Cochem fahren, um sich beim Arbeitsamt als arbeitslos zu melden. Die Brandstätte
in Zilshausen wurde aufgeräumt und die Fabrikation nur provisorisch weiterbetrieben.
1959 verpachtete Hesser den Betrieb mitsamt seinen
Gebietsvertretern an den Unternehmer und Sägewerkbesitzer Haag aus Kell, der ihn
bislang schon immer mit Holz für die Särge und Möbel beliefert hatte. Hesser selbst
verließ Zilshausen und verzog nach Heidelberg, um dort für die Stadt ein
Bestattungsinstitut einzurichten und privat zu betreiben.
Am 17. Juni 1966 entstand durch einen
Blitzeinschlag abermals ein Großbrand in der Sargfabrik (siehe hierzu
Chronik).
Der
Pächter Haag ging danach dazu über, die Sargherstellung immer mehr nach Kell in sein
Sägewerk zu verlegen.
In Zilshausen waren nur noch fünf Arbeiter damit beschäftigt, Särge aus Teilen
zusammenzubauen und anzustreichen, die in Kell vorgefertigt und mit Lastwagen nach hier
gebracht wurden. In Zilshausen wurden die Särge dann gelagert und nach Bedarf und
Bestellung per Lastwagen zu den Firmenvertretern (z.B. in Heidelberg, Trier, Bonn oder
im Ruhrgebiet) ausgeliefert. Betriebschef zu dieser Zeit war Hermann Weins.
Weihnachten 1968, ein Jahr bevor der Pachtvertrag
des Herrn Haag auslief, kam schließlich das endgültige "Aus" für die Zelser Sargfabrik.
Bei den älteren Dorfbewohnern kommen noch viele schöne Erinnerungen an die
zahlreichen Feste und Theaterspiele auf, die damals nach dem Zweiten Weltkrieg oben in
der Sargfabrik stattfanden. Im Vordergrund steht dabei die Dorfkirmes 1946, wo
"Hiestasch Hermann" den Fabrikraum mit den vorhandenen Werkzeugen und Hölzern zu einem
Tanzsaal umräumen ließ, wo man eine Damenkapelle organisierte, jeder seine Getränke
selbst mitbrachte und wo dann drei tolle Tage lang getanzt und gefeiert wurde.
Ein großer Tag für die Sargfabrik war nach Zeugenberichten immer auch die
Geburtstagsfeier des Herrn Haag, die jährlich bei Langs in der Gastwirtschaft
stattfand. Da wurde gegessen, getrunken, gesungen und getanzt - und es ging dabei so
lustig und heftig zu, dass auch schon einmal eine Rippe zu Schaden kam.
Schließlich gehört zum Thema "Sargfabrik" auch noch eine
Anekdote, die Otto Escher, einmal erzählte. Es geht dabei um den vor Jahren im
Simmerner Krankenhaus praktizierenden Chirurgen Doktor Hillebrand, der wegen seiner
robusten und volkstümlichen Art im Umgang mit seinen Patienten im ganzen Umkreis recht
bekannt war. Wenn Leute aus Zilshausen zu ihn kamen, fragte er sie immer nach dem
speziellen Befinden der "Hessers". Er tat dies, weil er vor seiner Tätigkeit in Simmern
in einem Aachener Krankenhaus sehr gut mit Hiestasch Griet (Margarete Hesser)
zusammengearbeitet hatte, die dort als Ordensschwester "Huberta" bei ihm
Operationsschwester gewesen war.
Als er hörte, dass Hermann H. in seiner Fabrik außer Särgen jetzt auch Klodeckel
produzierte, meinte er schmunzelnd und anerkennend: "Da hat der Junge einen klugen
Griff getan, denn gestorben und geschissen wird immer!"
4. Zur Geschichte der HIFA-Strickwarenfabrik
Die Strickerei in Zilshausen hat in den vergangenen
Jahrzehnten zahlreichen Dorfbewohnern Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten geboten. In
der Chronik blieb sie bislang unerwähnt. Deshalb soll an dieser Stelle anhand eines
Manuskripts aus dem Hause Hiester etwas über ihre Entwicklung und Bedeutung
nachgetragen werden.
Gründer dieses Familienunternehmens sind Johann Hiester
und dessen Ehefrau Katharina, geborene Börsch aus Frankweiler. Sie betrieben zunächst
in Zilshausen eine Landwirtschaft. Als dann aber die Kinderzahl auf sieben anstieg,
konnte der Landwirtschaftsbetrieb nur noch den nötigsten Lebensunterhalt für die große
Familie erwirtschaften. Deshalb begann die Mutter Katharina, die aus einer alten
Händlerfamilie stammte, mit selbstgefertigten Strickwaren "auf den Handel zu gehen".
Ihre Erfolge beim Verkauf von Strickwaren führten zu dem Entschluß, den ältesten
Sohn Alois im Herbst 1926 nach Emmelshausen zu einem Strickwarenfabrikanten in
die Lehre zu geben und ihn zum Strickmeister ausbilden zu lassen.
Alois , der sich unter Strickereiarbeit anfangs nur eine "Frauenangelegenheit"
vorstellen konnte, hatte zunächst wenig Lust zur Erlernung eines solchen Handwerks. Er
fügte sich aber dem Familienbeschluss und bestand bald seine Lehre. 1930 machte
er die Meisterprüfung und übernahm anschließend die Führung einer gerade neugegründeten
Strickwarenfabrik in Koblenz.
Noch im selben Jahr kehrte er dann nach Zilshausen zurück, um die inzwischen hier
entstandene elterliche Strickerei zu leiten. Die bestand zunächst aus zwei
Strickmaschinen, einer Zunäh- und einer kleinen Spulmaschine. Der erste Betriebsraum
war die "Gute Stube" der Hiesters. Die Spulmaschine bediente der Vater, das übrige
Arbeitspersonal wurde von den sechs Kindern gestellt. Für den Absatz der Produkte
sorgte die Mutter.
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Die Hiester-Familie in der guten "Stuff"
Das ist das älteste Bild aus der Geschichte der Zelser Strickerei. Es zeigt
die Hiesters in der "guten Stube" beim Nähen, Spulen und Stricken. Rechts oben
in der Ecke sieht man den damaligen Chef Alois Hiester. Links hinten arbeiten
die Stammeltern der Strickerei (Vater Johann und Mutter Katharina). |
Bald stieg der Umsatz der von der Familie hergestellten
Strickwaren beachtlich. Neue Maschinen mussten gekauft und zusätzliche Arbeitskräfte
eingestellt werden.
Am Kirmestag 1932 zog die erste Motormaschine in
die "Gute Stube" ein - ein Maschine, die zum Erstaunen der Dorfbewohner von ganz
alleine strickte. Die "Stuff" wurde als Arbeitsraum viel zu klein - und bald danach
auch der Hühnerstall, der zwischenzeitlich an ihrer Stelle zum neuen Arbeitsraum
umgebaut worden war.
Nach weiterer erfolgreicher Entwicklung des Familienunternehmens wurde am
15. Januar 1935 die Firma HIFA gegründet und amtlich anerkannt. Seitdem tragen die
Produkte der Strickerei Etiketten mit der Firmenaufschrift HIFA. Der Aufstieg der Firma
setzte sich bis zum Kriegsbeginn im Jahre 1939 fort.
Nach dem Krieg hatte der Betrieb zunächst unter
den allgemeinen Handelsbeschränkungen, dem Wertverlust des Geldes und unter der
allgemeinen Rohstoffknappheit zu leiden. In dieser Situation war es ein Vorteil, daß
ein Bruder des damaligen Strickereimeisters Alois den alten Bauernbetrieb der Familie
weitergeführt hatte. Mit Eiern, Butter und Schweinefleisch im Kofferraum fuhr zu
dieser Zeit Alois Hiester mit dem Auto in die Stadt, um die landwirtschaftlichen
Kostbarkeiten gegen Wolle für seinen Strickereibetrieb einzutauschen.
Nach der Währungsreform 1948 ging es mit dem
Betrieb dann wieder rasch aufwärts. In Klotten an der Mosel wurde der Grundstein zu
einem Zweigbetrieb gelegt. Dort sollten Strumpfwaren hergestellt und zugleich die
Verwaltung, der Versand und Verkauf untergebracht werden. Die Leitung der
Strumpfwarenabteilung, den Verkauf und den Versand übernahmen die Geschwister Alfons
und Maria Hiester.
In den 50er Jahren bereisten bereits drei Vertreter den sich stetig
vergrößernden Kundenkreis, - und in Zelse wurden die Fabrikationsräume ständig
ausgebaut.
Die erste, einst so sehr bewunderte Motormaschine sowie die Spulmaschine
mußten moderneren und leistungsfähigeren Voll- automaten weichen, und die
umständlichen Bügeleisen waren längst durch eine Bügelpresse ersetzt worden, die
den Produkten der Strickerei ein deutlich schöneres Aussehen verlieh. |
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Die Strickereimannschaft um
1950 |
1960, im silbernen Jubiläumsjahr der Firma, wurde
in Zilshausen abermals weiter ausgebaut. Die neue Maschinenhalle maß jetzt 20 x 9 qm.
Der ehemalige Nähraum wurde zum Fertiglager und zur Repassierung bei eventuellen
Fehlern an den Fertigwaren genutzt. Der alte Hühnerstall wurde abgerissen - an seiner
Stelle erwuchs ein Gebäude mit Büro und einem Empfangsraum für Geschäftsbesuche. Im
Keller unter der neuen Maschinenhalle entstanden ein großer Aufenthaltsraum, ein
Vorratsraum für Wolle, eine Betriebswerkstatt und Toiletten mit Waschraum für die
Angestellten.
Rechtzeitig vor dem letzten "Hoch" der Deutschen
Textilindustrie in den 80er Jahren wurde 1978 die gesamte Produktion in einen
Neubau verlagert. Der Altbau wurde in Lager-, Büro- und Verkaufsräume umgebaut.
Das Unternehmen spezialisierte sich mit gutem Erfolg auf
die Strick-Kombi-Mode und war bald einer der führenden Hersteller im südwestdeutschen
Raum. Der Strickmaschinenpark wurde umgestellt. Die Zahl der Beschäftigten stieg auf
über 50.
Der Vertrieb der Ware läuft über Vertreter in ganz Deutschland an den Fachhandel.
Die Zahl der Vertreter wurde auf 12 erhöht. Die Firma besucht, was früher nicht
notwendig war, zweimal im Jahr als Aussteller die Modemessen in Düsseldorf.
Außerdem verfügt die Firma über vier Einzelhandelsgeschäfte in Zilshausen, Klotten,
Cochem und in Bad Bertrich. In Zilshausen ist nach wie vor die Produktion angesiedelt
und in Klotten die Verwaltung mit Versand und Fertigwarenlager.
Heute, im Jahre 2000, ist die bange Frage an die
Zukunft: Wie wird es bei der fortschreitenden Globalisierung des gesamten
wirtschaftlichen Geschehens im neuen Jahrtausend mit der hiesigen Strickerei
weitergehen? -
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