Inhalt
Vorwort
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4. |
"Dörfliche Stille" |
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Vom bäuerlichen Alltag und den Geräuschen, die das
Tagwerk begleiten |
Die sprichwörtliche "dörfliche Stille" ist eher eine Sache
unserer Tage, wo die Straßen - abgesehen von ein paar Autos - fast wie ausgestorben
sind.
In der "guten alten Zeit", als noch jedes Haus im Dorf seine eigene kleine
Landwirtschaft betrieb, begleiteten die typischen Geräusche das bäuerliche Tagwerk vom
frühen Morgen bis zum Dunkelwerden.
Zunächst spielten sich, auch im Sommer, die Aktivitäten
im Haus und im Stall ab.
Schon vor dem Morgenläuten stand man auf, ging "die Trapp ronna" in die Küche,
machte mit "Schlivvare", dem Kleinholz, das man am Tag zuvor gehackt hatte, mit etwas
Stroh, Holzscheiten und einem "Fixfoua" (Streichholz) das Herdfeuer an und stellte
Wasser auf.
Dann ging es gleich in den Stall zum Melken, denn um halb sieben holte der Kläse
Pidda die Milchkannen ab.
Als erstes musste dem hungrigen Vieh "en Haffel Hai dargedoo" werden. Man hörte im
Dorf genau, wo das Vieh am Morgen nicht beizeiten versorgt wurde: Aus einem sanften
Muhen wurde allmählich ein immer ungeduldigeres langgezogenes Brüllen; und die Schweine
mit ihrem aufgeregten Grunzen, das sich schnell zu durchdringendem Gequieke steigerte,
stimmten ein in das weithin vernehmbare Stallkonzert.
Der Bauer versorgte also das Vieh mit dem am Tage zuvor vorbereiteten Futter:
mit Heu und Häcksel oder frischem Klee, während die Frau mit Kopftuch und
Stallschürze zwischen den Kühen auf dem groben dreibeinigen Melkschemel saß, den
jeweiligen Kuhschwanz mit dem Melkeimer fest zwischen die Knie geklemmt. Und
dann hörte man in dem ruhigen Stall das leise Klirren der Ketten, das mahlende
Kauen der Kühe und das rhythmische Geräusch, mit dem der scharfe Milchstrahl in
den metallenen Eimer spritzte.
Es war nicht eben viel Milch, die die Kühe hergaben, die ja oft auch Fuhr-
und Arbeitstiere waren und kein besonders üppiges Futter bekamen.
Was nicht für den Haushalt oder eventuell für die Kälber
gebraucht wurde, kam in die Milchkanne der |
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Owwe-Seimets Jakob beim Stallmisten |
Kastellauner Molkerei und wurde zum
Abtransport auf die dafür vorgesehenen Holzbänke an Backes-Weins und den anderen
Sammelstellen im Dorf gebracht.
Pünktlich um sechs Uhr polterte Kläse Pidda "mit Karacho" mit seinem leeren
Milchauto durchs Dorf, um in Lieg und Lahr die Milchkannen abzuholen; und eine halbe
Stunde später war deutlich zu hören, dass auch in unserem Dorf die Kannen mit Schwung
auf den offenen Lastwagen bugsiert wurden. Das war eines der täglich zuverlässig sich
wiederholenden Geräusche im Dorf.
Kippasch Johann hat angespannt |
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Waren Milch und Vieh fürs erste versorgt, wurde in der Küche Kaffee getrunken.
Meist war es "Malzkaffee" aus dem im Backes beim Brotbacken gerösteten Korn.
Auf die großen Schnitten vom kräftigen selbstgebacken Brot kam manchmal Butter,
öfter "Klatschkäs" oder "Schmeer" (Apfelkompott, "Quetscheschmeer", "Bierekrout")
oder "Schelee".
(Wer sich, wie der "Elberfeller Paul", der Feriengast aus der Großstadt, auf
das Butterbrot mit Gelee auch noch obendrein den Klatschkäs lud, der riskierte,
dass man im Dorf mit Missbilligung über ihn sprach). |
Nach dem Frühstück ging die Arbeit im Stall weiter. Das
Vieh musste getränkt, die Schweine gefüttert, der Stall gemistet werden. Die Eimer
klirrten und schepperten, die Schweine grunzten und schmatzten und stießen mit den
Köpfen gegen die Futterklappe über ihrem Trog, und der Karst kratzte über den Steinboden
im Stall, wenn der Mist herausgezogen wurde. Die vollgeladene Mistkarre quietschte oder
knarrte, wenn man sie zum Misthaufen schob und auskippte. Und dazwischen hörte man, wie
der Bauer - je nach Temperament beruhigend oder laut schimpfend - das Vieh anrief, die
"Bläss", "Braun" oder "Aischa", wenn sie stur der Arbeit im Weg herum standen.
Zurufe wie "Kooom Aischa!", "Gieste zreck!", "Mach dich mol henne remm!" und
ähnliche begleiteten die Arbeit mit dem Vieh auch weiterhin durch den Tag. So zum
Beispiel, wenn zum Futterholen der Wagen angespannt wurde.
Beim Anspannen drangen die lautstarken Aufforderungen an potentielle Helfer, die
gerade in der Nähe waren: "Gieh, holl ma mol die Lain" oder "Breng ma mol die Seens!"
vom Hof herüber bis auf die Straße
- ebenso wie das Geräusch von Ketten, "Silleschäid"
und Deichsel und auf den Wagen geworfenen Gerätschaften (Sense, Rechen und Gabel).
Dann rumpelten die Wagen mit den hohen dünnen, eisenbereiften Holzrädern über die
holprigen Dorfstraßen zum Kleefeld und später, mehr oder weniger voll beladen, wieder
zurück.
Schon wenn man bedenkt, dass vom Mai bis zum Herbst von jedem Haus jeden Morgen
frisches Futter geholt werden musste, kann man sich vorstellen, dass der Geräuschpegel
auf den Straßen auch vor dem Aufkommen der lauten Bulldogs recht beachtlich war.
Aber die eigentlichen Lärmmacher kamen ja noch dazu: Je nach der Jahreszeit und der
anfallenden Feldarbeit rumpelten außer den Wagen, die Futter, Holz, Mist, Pull,
Kartoffeln, Heu, Getreide, Rüben und anderes mehr transportierten, auch die
verschiedenen Arbeitsgeräte mit ihren unverwechselbaren "Tonarten" daher.
Am lautesten
waren die Mäh- und Dreschmaschinen, der Pflug auf dem Pflugschlitten oder dem
"Ploochwähnche" und vor allem die donnernd hinter dem Wagen herrollende hölzerne, später
metallene "Well".
Da mussten dann manches Mal die frei im Dorf
herumlaufenden Hühner laut gackernd und flügelschlagend flüchten. Da bellten Hunde, die
neben dem Wagen herlaufen durften, und die anderen, die an der Kette vor ihrer Hütte
bleiben mussten, jaulten ihnen hinterher.
Und vor allem waren da die Kinder, die mit ihrem Ranzen, aus denen die Tafelläppchen
hingen, mit ihren Nagelschuhen und (die Mädchen) mit ihren Schürzen laut schwätzend und
schreiend in die Schule und später wieder heim trabten.
Vor Mittag - gegen elf - kam das Milchauto von Kastellaun zurück und lud mit
unüberhörbarem Geklapper an den vorgesehenen Stellen die Milchkannen wieder ab, die
inzwischen eine der abgegebenen Morgenmilch entsprechende Menge Magermilch enthielten.
(Die "Kastelläiner Melich" roch im Sommer meist schon etwas säuerlich und wurde den
Schweinen gegeben. Am Wochenende benutzte man sie aber auch, um den geputzten Fliesen-
oder Holzböden einen gewissen Glanz zu verleihen.)
Zwischen elf und halb zwölf läutete es Mittag, und für die Zeit des Mittagessens
kehrte ein wenig Ruhe ein auf den Straßen. Zur Zeit der Ernte oder anderer dringlicher
Arbeiten war die Pause allerdings nur kurz.
Mit den Jahreszeiten änderten sich die Arbeiten und damit
die typischen Geräusche, die von Scheunen und Höfen auf die Straße drangen. Jeder, der
das Leben im Dorf aus früheren Tagen
kennt, erinnert sich an das rhythmische, metallisch helle Dengeln der Sense, wenn
sie auf dem Dengelstock gehämmert wurde.Den Wetzstein benutzte man vor allem auf
dem Feld zum Nachschleifen.
Er steckte
daher immer in dem am Gürtel des Mähers hängenden "Schlorrafass", einer Art Köcher
aus Blech, in dem etwas Wasser war. Das schrill aufkreischende Geräusch des
Schleifsteins hörte man nur, wenn die Messer von Mähmaschinen oder wenn Sägen
geschärft wurden.
Ein anderes unverwechselbares, oft ohrenbetäubendes Kreischen gabīs im
zeitigen Frühjahr, wenn die Kreissäge auf den Hof kam und das Holz geschnitten
wurde. Das Holzschneiden und anschließend das Holzhacken sowie das unregelmäßige
klackende Geräusch der auf den Holzhaufen oder in den Korb geworfenen Scheiter
haben sich in meiner Erinnerung untrennbar mit Frühling und ersten warmen
Sonnenstrahlen verbunden, - und irgendwie gehört auch das leise Brummen eines
langsam und hoch am blauen Himmel dahinziehenden Flugzeugs zu dieser
nostalgischen Erinnerung.
Im Spätsommer und Herbst, wenn die Ernte eingefahren war, vernahm man dann
das anhaltende an- und abschwellende Brummen der Dreschmaschinen aus den Scheunen. |
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Bauersch Cilly hat Pause beim Holzhacken |
Manchmal zischten oder schnarrten sie auch ganz bedenklich
oder verstummten ganz, wenn oben eine Korngarbe zu hastig eingestopft wurde oder gar ein
Stein in die Maschine geriet.
Bevor es die großen mobilen elektrischen Dreschmaschinen gab, war das Getreide mit
kleinen in die Scheune eingebauten und mit Benzin, noch früher mit dem "Gewel", dem
Göpel, betriebenen Maschinen gedroschen wurden. Und davor hatte man "die Frocht" über
den Winter mit Dreschflegeln auf der Tenne ausgedroschen.
Um sich eine elektrische Dreschmaschine leisten zu können,
musste man sich zunächst immer in einer Gruppe von Bauern (Nachbarn oder Verwandte)
zusammenschließen; und in dieser Gruppe half man sich dann auch gegenseitig an den
Tagen, wo "maschinnt" wurde.
(vgl. Kapitel 6)
Wenn die Dreschmaschine auf den jeweiligen Hof gezogen und
in die Scheune bugsiert wurde, standen dem Haus immer ein oder mehrere Tage
Ausnahmezustand bevor. Die Arbeit begann am frühen Morgen und dauerte - mit Frühstücks-,
Mittags- und Kaffeepausen - bis zum Abend. Eine Menge Hilfskräfte waren vonnöten:
Meistens zwei größere Kinder warfen die oben in der Scheune gestapelten Garben auf die
Maschine, wo zwei weitere Personen saßen: eine, die die Garben aufschnitt, eine andere,
die sie mit Geschick und Vorsicht gleichmäßig "eingeben" musste. Unten in der Scheuer
mussten zwei Personen abwechselnd "abraffen", das heißt, das leergedroschene Stroh aus
der Maschine entgegennehmen und mit vorbereiteten Strohseilen zu schweren Bürden
zusammenbinden. Eine weitere Person war nötig, um die "Beade" hinaus auf den Hof zu
schleppen, wo sie meist ein starker Mann mit der Gabel zu einem großen Strohgebirge
stapelte. Für die kleineren Kinder war das ein Tummelplatz, bis das Stroh am Abend, wenn
der Motor abgestellt war, wieder in der Scheune verschwand.
Die Männer waren damit beschäftigt, die häufig auftretenden Störungen an der
Maschine zu beheben und die schweren Getreidesäcke auf den Speicher zu tragen. Die Sache
der Hausfrau und vor allem der Großmutter war es, mit Kaffee, "Stecka" und am Mittag mit
einem großen Topf Bohnensuppe mit Rahm für das leibliche Wohl der in Staub und Hitze
hart arbeitenden Mannschaft zu sorgen. Wenn "maschinnt" wurde, ging es bei aller Mühsal
aber meist auch recht laut und gesellig zu, so dass das Maschinengebrumm oft übertönt
wurde von Zurufen und Lachen der verstaubten und verschwitzen Schaffer.
Wenn nach einem langen Arbeitstag der Motor der Dreschmaschine abgestellt wurde und
mit einem abschwellenden Geräusch verstummte, dröhnte das Brummen im Kopf noch lange
nach und man sprach lauter als gewöhnlich.
Später im Jahr waren es die dumpf rumpelnden Kartoffeln, die aus den Säcken über
eine Holzschütte ins Kellerloch kullerten oder die beim Ausladen polternden "Rommele",
die Runkelrüben, die das Geräuschbild des Dorfes mitbestimmten.
Allmählich gingīs dann wieder ruhiger zu im Dorf. Und wenn man einander auf der
Straße begegnete, hatte man wieder mehr Zeit für einander.
- Es sei denn, man war mit
großen Kuchenblechen unterm Arm auf dem Weg zum Backes oder mit der Kuh oder der Wutz
auf dem Weg zum Stier bzw. zum "Watz" (Eber). Ein Schwein durchs Dorf einem bestimmten
Ziel zuzutreiben, das war gar nicht so einfach und forderte neben einer festen Rute auch
viel gutes oder laut drohendes "Zureden".
Ebenso spannend war es zuzuschauen, wie "en stearisch Koh" mit ihren "Führer" an der
kurzen Leine durchs Dorf tanzte, wenn sie zum "Gemaane-Stea", dem Gemeindestier gebracht
wurde.
Die Straßenszene war also immer gut für lebhafte und vielfältige "Kommunikation".
Einige Tätigkeiten in Haus, Stall und Scheuer wiederholten
sich in ähnlicher Abfolge das ganze Jahr hindurch. Jeden Tag musste das Vieh gefüttert
und das Futter vorbereitet werden:
Die "Säikrombiere", kleine oder beim Ausmachen "angegrabene" Kartoffeln und
Küchenabfälle, wurden in einem großen Topf auf dem Küchenherd oder in der Viehküche
gekocht und, wenn sie abgekühlt waren, mit der Hand gequetscht. (Das war eine
anstrengende, aber wirksame Massage für die Hände der Bäuerin, die dabei zart und
"porentief sauber" wurden.)
In der Scheune standen u.a. drei Hilfsgeräte, die bei der Futterzubereitung
gebraucht wurden: Die Schrotmühle, mit der Korn und Hafer zu "Geschrääts" gemahlen
wurde, hatte schon relativ früh einen Benzinmotor. Die beiden anderen wurden lange mit
der Hand gedreht.
Mit dem großen gefährlich aussehenden Messerrad der Häckselmaschine wurde Stroh
kleingeschnitten; und die "Gretzmill" zerkleinerte mit schmatzenden Geräuschen die
"Rommele".
Wenn es kein Grünfutter gab, musste das oben in der Scheune nach der Ernte fest
zusammengetrampelte Heu mit einem hakenartigen Gerät gerupft und auf die Scheunentennen
hinuntergeworfen werden.
Das "Hairoppe" war eine Arbeit für die Kinder. Vor allem, wenn man zu zweit auf
dem dämmrigen Heuboden war, machte es dabei großen Spaß, mit mehr oder weniger
Geschick möglichst hoch auf das Heugebirge unterm Scheunendach zu klettern, um
dann mit Halloo wieder herunterzurutschen. Versorgt werden mussten am Abend auch
die kleineren Tiere. Die Katzen bekamen nach dem Melken im Stall ein Tellerchen
Milch. Im übrigen versorgten sie sich selbst - sie waren ja zum Mäusefangen da.
Die Hühner kamen in der Dämmerung spätestens von ihren Ausflügen ins Dorf
und "unter die Wiesen" auf den Hof zurück und warteten auf das vertraute"Kooom,
bibibibib!", mit dem ihnen ihr Futter angekündet wurde.
Anschließend gingen dann auch sie "die Trapp
eroff", nämlich die Hühnerleiter, die außen an der Scheunenwand zu dem
Hühnerhaus "of da Schoua" über dem warmen Stall führte. Danach wurde die an
einer Schnur befestigte Hühnerklappe heruntergelassen.
Nach dem Füttern versammelte man sich auch im Haus zum Abendessen.
Am häufigsten gab es Dickmilch mit Kartoffeln, manchmal Brot mit "Eiaschmeer" oder
auch "Stompes" (Kartoffelbrei) mit Endivien oder "Mausohr"..
Und meist wurde es nicht allzu spät, bis es hieß: "Ich machen mich die
Trapp eroff", denn der nächste Tag fing wieder früh an.
"Kooom .. Bibibibib!"
Stadtkind als landwirt- schaftliche Hilfskraft bei Hiestasch Lien
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Kleintierfütterung
Hanjupps Maria leistet Überlebenshilfe
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