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Vorwort
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Der "Beldemer Lippert" war die "Konkurrenz"
zu den Ladengeschäften im Dorf. Mit seinen beiden am Tragjoch befestigten Warenkörben
(manchmal waren es auch zwei Zinkeimer oder eine Schubkarre) kam er regelmäßig über die
Dörfer im ganzen Vorderhunsrück.
Wer ihn noch erlebt hat (er starb 1963), für den bleibt er unvergesslich: Er war
groß und sah mit seinem wilden Bart vor allem für Kinder finster und
angsteinflössend aus. Aber obgleich er, wenn er gereizt wurde, recht lospoltern
konnte, tat er keiner Fliege etwas zuleide.
Mehrere Jacken, die er das ganze Jahr hindurch übereinander trug, ließen ihn
noch mächtiger erscheinen. Um sich der Hitze oder Kälte anzupassen, knöpfte er
jeweils eine der Jacken mehr auf bzw. zu und soll - das Wetter betreffend -
gesagt haben: "Hout es et wirra ane Jacke källa woar!". (Heute ist es
wieder eine Jacke kälter geworden!)
Der Lippert verkaufte Waren zu Pfennigsbeträgen: vor allem Nadeln, Zwirn und
andere Kurzwaren, aber auch Rasierklingen, Schleifsteine. Küchenmesser u.ä. -
und manchmal auch Heringe.
Die Waren durfte man anschauen, aber auf keinen Fall anfassen, ehe der Kauf
getätig war.
Mit den Pfennigsbeträgen nahm er es äußerst ernst.
Er ließ sich keinen Pfennig schenken oder herunterhandeln und gab immer exakt
das Wechselgeld zurück, das er in Blechdöschen sortiert in den Taschen seiner
Jacken aufbewahrte. |
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De "Beldemer Lippert" |
Mein Vater erzählte, dass er dem Lippert
einmal ein paar Sicherheitsnadeln und etwas Nähgarn für vielleicht 47 Pfennige
abgekauft habe. Als er dazu auch noch einen weiteren Kauf für wenige Groschen tätigen
wollte, wurde der Lippert sehr unruhig und fragte äußerst skeptisch den dabeistehenden
Bauern, der ihm bekannter war als der unsichere Zufallskunde,: "Ob er et och bezahle
kann, ob er och bezahle kann?!"
Die bekannte Geschichte von der Politikerbeleidigung aus dem "Dritten Reich" hat
man ihm wohl nur in den Mund gelegt: Er soll seine Heringe mit dem Reklamespruch
"Hering, so fett wie de Göring!" angepriesen haben und dafür acht Tage hinter Gitter
gesperrt worden sein. Als er in der folgenden Woche wieder seine Heringe anbot, habe er
gerufen: "Hering, su fett wie die vorig Woch!".
Auch der "Sawwascher Erich" war eine bekannte Erscheinung
im Dorfbild. Er tauchte vor allem an der Kirmes und an den Namenstagen der Dörfler auf,
um zu gratulieren und zum Dank ein Stück Kuchen oder - besser noch - ein paar Groschen
oder eine Pfeife Tabak zu bekommen. Seine Spezialität war es, dass er alle Namenstage
der Leute und alle Milchkannennummern der umliegenden Dörfer zuverlässig auswendig
wusste und auf Befragen hersagte.
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