Rückblicke - Erinnerungen - Bilder

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Inhalt
Vorwort
1 Fund eines alten Wasserrohres
2 Wem bes dou da Hausnamen
3 Häuser - Höfe - Straßen
4 Dörfliche Stille: Vom bäuerlichen Alltag und den Geräuschen, die das Tagwerk begleiten
5 Zum Feld- und Viehbesitz vor 1940
6 Bäuerliche Arbeit im Laufe des Jahres
7 Bräuche und Feste im Jahreslauf
8 "Wat lairet?" - Die Kapelle und die Kirchenglocken
9 Gerje Marie, die Zelser Krankenpflegerin
10 Friene gieh
11 Rund um den Zelser Backes - Brotbacken und anders mehr
12 Die Zelser Bach und die alte Bauernmühle
13 Kinderspiele auf der Dorfstraße
14 Freizeitvergnügungen der Dorfjugend
15 Die Irrfahrt des kleinen Hermann
16 Mundart, Hochdeutsch, Altgriechisch und mehr
17 Schule und Schulphotos
18 Die "Kolonialwarenläden" in Zilshausen , die Post und andere "Pöstchen"
19 Zwei Hunsrücker Originale
20 Gaststätten in Zilshausen
21 Dörfliche Berufe und das "soziale Netz" vor 1940
22 Handwerks- und Fabrikationsbetriebe in Zilshausen
Ausklang - Alt-Zelser Mundartausdrücke aus dem Text

19.

Zwei Hunsrücker Originale

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Der "Beldemer Lippert" war die "Konkurrenz" zu den Ladengeschäften im Dorf. Mit seinen beiden am Tragjoch befestigten Warenkörben (manchmal waren es auch zwei Zinkeimer oder eine Schubkarre) kam er regelmäßig über die Dörfer im ganzen Vorderhunsrück.

Wer ihn noch erlebt hat (er starb 1963), für den bleibt er unvergesslich: Er war groß und sah mit seinem wilden Bart vor allem für Kinder finster und angsteinflössend aus. Aber obgleich er, wenn er gereizt wurde, recht lospoltern konnte, tat er keiner Fliege etwas zuleide.
Mehrere Jacken, die er das ganze Jahr hindurch übereinander trug, ließen ihn noch mächtiger erscheinen. Um sich der Hitze oder Kälte anzupassen, knöpfte er jeweils eine der Jacken mehr auf bzw. zu und soll - das Wetter betreffend - gesagt haben: "Hout es et wirra ane Jacke källa woar!". (Heute ist es wieder eine Jacke kälter geworden!)
Der Lippert verkaufte Waren zu Pfennigsbeträgen: vor allem Nadeln, Zwirn und andere Kurzwaren, aber auch Rasierklingen, Schleifsteine. Küchenmesser u.ä. - und manchmal auch Heringe.
Die Waren durfte man anschauen, aber auf keinen Fall anfassen, ehe der Kauf getätig war.

Mit den Pfennigsbeträgen nahm er es äußerst ernst. Er ließ sich keinen Pfennig schenken oder herunterhandeln und gab immer exakt das Wechselgeld zurück, das er in Blechdöschen sortiert in den Taschen seiner Jacken aufbewahrte.

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De "Beldemer Lippert"

Mein Vater erzählte, dass er dem Lippert einmal ein paar Sicherheitsnadeln und etwas Nähgarn für vielleicht 47 Pfennige abgekauft habe. Als er dazu auch noch einen weiteren Kauf für wenige Groschen tätigen wollte, wurde der Lippert sehr unruhig und fragte äußerst skeptisch den dabeistehenden Bauern, der ihm bekannter war als der unsichere Zufallskunde,: "Ob er et och bezahle kann, ob er och bezahle kann?!"
Die bekannte Geschichte von der Politikerbeleidigung aus dem "Dritten Reich" hat man ihm wohl nur in den Mund gelegt: Er soll seine Heringe mit dem Reklamespruch "Hering, so fett wie de Göring!" angepriesen haben und dafür acht Tage hinter Gitter gesperrt worden sein. Als er in der folgenden Woche wieder seine Heringe anbot, habe er gerufen: "Hering, su fett wie die vorig Woch!".

Auch der "Sawwascher Erich" war eine bekannte Erscheinung im Dorfbild. Er tauchte vor allem an der Kirmes und an den Namenstagen der Dörfler auf, um zu gratulieren und zum Dank ein Stück Kuchen oder - besser noch - ein paar Groschen oder eine Pfeife Tabak zu bekommen. Seine Spezialität war es, dass er alle Namenstage der Leute und alle Milchkannennummern der umliegenden Dörfer zuverlässig auswendig wusste und auf Befragen hersagte.

 
© 2001   M + M Böhmer, Zilshausen    (maplusma@freenet.de)
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