Rückblicke - Erinnerungen - Bilder

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Inhalt
Vorwort
1 Fund eines alten Wasserrohres
2 Wem bes dou da Hausnamen
3 Häuser - Höfe - Straßen
4 Dörfliche Stille: Vom bäuerlichen Alltag und den Geräuschen, die das Tagwerk begleiten
5 Zum Feld- und Viehbesitz vor 1940
6 Bäuerliche Arbeit im Laufe des Jahres
7 Bräuche und Feste im Jahreslauf
8 "Wat lairet?" - Die Kapelle und die Kirchenglocken
9 Gerje Marie, die Zelser Krankenpflegerin
10 Friene gieh
11 Rund um den Zelser Backes - Brotbacken und anders mehr
12 Die Zelser Bach und die alte Bauernmühle
13 Kinderspiele auf der Dorfstraße
14 Freizeitvergnügungen der Dorfjugend
15 Die Irrfahrt des kleinen Hermann
16 Mundart, Hochdeutsch, Altgriechisch und mehr
17 Schule und Schulphotos
18 Die "Kolonialwarenläden" in Zilshausen , die Post und andere "Pöstchen"
19 Zwei Hunsrücker Originale
20 Gaststätten in Zilshausen
21 Dörfliche Berufe und das "soziale Netz" vor 1940
22 Handwerks- und Fabrikationsbetriebe in Zilshausen
Ausklang - Alt-Zelser Mundartausdrücke aus dem Text

21.

Dörfliche Berufe und das "soziale Netz" vor 1940

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Über die "Einwohner und ihre Berufe" vor der Jahrhundertwende hat der erste Chronist, Lehrer Schmitz, im Jahre 1895 in der Chronik anschaulich berichtet.
Die meisten der dort beschriebenen Handwerks- und Erwerbszweige sind in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausgestorben. Alte Berufe, auf die manche Hausnamen noch hindeuten, zum Beispiel Säiats (Schweinehirt) und Säischneirasch (Ferkelbeschneider), wurden damals ebenso wie später das Betreiben eines Lebensmittelladens, einer Gastwirtschaft, eines Handwerks etc. oder die Arbeit einer Krankenschwester meist nur als Nebentätigkeit ausgeübt.
Die Grundlage des Lebensunterhalts fast aller Familien im Dorf bildet auch um 1940 noch die Landwirtschaft. Ausnahmen waren - außer dem Lehrer - die wenigen meist alleinstehenden Alten oder Behinderten im Dorf, die kein eigenes Land und nicht (mehr) die Kräfte hatten, sich als Knechte und Mägde oder Tagelöhner "zu verdingen".
"Orschels Jusep" zum Beispiel zog mit seiner Drehorgel (daher der Name) über die Dörfer und Zorsch Marie kam mit ihrer Kiepe auf dem Rücken in die Häuser und sang in Erwartung von Gaben im Hausflur Kirchenlieder. (Eine anschauliche Anekdote über die beiden findet sich in einer Sammlung von "Hunsrücker Steckelcher", die im A. Henn Verlag erschienen sind.)

Für diejenigen, die sich nicht selbst helfen konnten, gab es eine der früher im Dorf selbstverständlichen Einrichtungen nachbarschaftlicher und christlicher Solidarität: die "Emsopp". Die "Um-Suppe" gab den Ärmsten die Möglichkeit reihum im Dorf für jeweils eine Woche am Mittagessen einer Familie teilzunehmen. Diese Sitte gab es noch in den 30er Jahren. Zorsch Marie war die letzte, die noch in einige Häuser zur "Emsopp" ging.
Bis 1957 gab es für die Bauern keinerlei Altersrente. Die Alten lebten in der Familie mit und arbeiteten mit, so lange sie eben konnten. Eine landwirtschaftliche Unfallrente gab es zwar schon, aber wenn sie monatlich 10 Mark betrug, war sie bereits nennenswert und hilfreich - "Dat woar schun Geld!" .
Ab 1957 gab es für über 65jährige Ehepaare, deren einziges Einkommen in der Landwirtschaft lag, 60 D-Mark Rente, für Alleinstehende entsprechend weniger. Ab 1957 musste, wer mehr als vier oder fünf Hektar Land hatte, ab 12 D-Mark (bzw. entsprechend mehr) für die Rente einzahlen.

 
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