Inhalt
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1902 |
1903 |
1904 |
1905 |
1907 |
1908 |
1909 |
1910
DAS JAHR 1902
Waldbrand
In dem zwischen Zilshausen und Korweiler gelegenen Kiefernwalde 'Börzelt' entstand
am 2. Juli 1902 ein Waldbrand, dem beinahe der ganze Bestand zum Opfer gefallen wäre. Nur
dem sofortigen umsichtigen und tatkräftigen Handeln einiger Dorfbewohner verdankt der
Wald sein Bestehen.
Die angebrannten Bäume wurden auf Anordnung der Behörde von den Bürgern
abgeholzt und durch das Los an selbige verteilt.
Die Brandfläche ist ungefähr .?.. ha groß und liegt zwischen der Straße und der
'Lehmkaul'. Im Frühjahr 1906 wurde selbige mit Tannen bepflanzt.
Feuerbrünste
Am 29. Juni 1902 ertönte nachmittags gegen 4 Uhr die Brandglocke. Das ganze Gehöfte
des Gast-
wirtes Herrn Joh. Lang von hier stand unter Flammen. Das Feuer trat sehr
plötzlich und gewaltig auf, daher konnte sehr wenig gerettet werden. Das ganze
Gebäude wurde ein Raub der Flammen.
Ungefähr 150 m oberhalb der Brandstätte erbaute sich Herr Lang noch im
selbigen Jahre ein neues, größeres und schöneres Wohnhaus nebst Scheune und
Stallung.
Einige Wochen später, am 15. August, wurden an einem Samstagnachmittag
Wohnhaus und Stallung des Herrn Jakob Hohn von hier eingeäschert. Dieselben
standen zwischen den Wohnhäusern der Herren Jak. Wendling und Matth. Jos. Weins
von hier, etwas zurückgelegen. Die Parzelle, auf welcher das Gehöft stand, ging
durch Kauf an Herrn M. J. Weins über.
Herr Hohn kaufte sich ein Wohnhaus mit Scheune und Stall von Herrn Peter
Dirk hierselbst, welcher nach Weißenthurm verzog.
Diese Gebäude lagen im Unterdorf, gegenüber dem Wohnhause der Witwe Zorn.
Jedoch auch in diesem Hause sollte Herr Hohn nicht lange wohnen.
Schon im folgenden Jahre, am 6. August 1903, brannte selbiges wieder nieder.
Der sehr vom Unglück Heimgesuchte fand das Mitleid aller, was die zahlreichen
Unterstützungen, die bei ihm eingingen, bewiesen. |
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Familie Langs vor dem Neubau |
Im folgenden Jahr erbaute sich Herr Hohn
neben der Brandstätte, dicht an die alte Scheune ein neues Haus.
DAS JAHR 1903
Definitive Anstellung des Lehrers Henten
Durch Verfügung Königliche Regierung zu Koblenz vom 11. August 1903 wurde der an
hiesi-ger Schule einstweilig angestellte Lehrer Henten endgültig in seinem Amte
bestätigt.
Anschaffung einer neuen Glocke
Die Glocke, die da berufen ist, an Freud und Leid der Ge-meinde, an kirchlichen und
weltlichen Ereignissen teilzu-nehmen, hatte im Laufe der Zeit einen Sprung erhalten.
Von dem Türmlein der Kapelle erklang daher täglich etwas, das eher ein Gewimmer als
Geläute bezeichnet werden musste. Die-sem Klageton konnte man sich auf die Dauer nicht
verschließen, und so wurde denn die Anschaffung einer neuen Glocke beschlossen. Man
bezog dieselbe aus der Glockengießerei I.Habilon und W. Hansen in Saarburg im Jahr 1903.
Die Glocke trägt die Inschrift:
AVE MARIA! ITE AD JOSEPH!,
Gegrüßt sei´st du Maria! Geht zu Josef!
DAS JAHR 1904
Gründung einer Spar- und Darlehenskasse
Auf Anregung des Herrn Pastors Mahson wurde im Herbst 1904 eine Spar- und
Darlehnskasse gegründet. Dieselbe zählte bei der Gründung 23 Mitglieder. Viele
Dorfbewohner standen der Kasse bei der Gründung misstrauisch, ja sogar feindlich gegenüber
und traten nicht bei. Einige Jahre früher war nämlich eine solche Kasse schon einmal
gegründet worden, die aber, weil es an der richtigen Leitung und entsprechenden Beteiligung
fehlte, wieder einging. Nach dem Gang der Geschäfte zu schließen, ist der jetzigen Kasse
nicht dasselbe Schicksal beschieden, was in Anbetracht der Nützlichkeit einer solchen
Einrichtung sehr zu begrüßen ist.
DAS JAHR 1905
Änderung des Schulsystems zu einer einklassigen Schule
Auf Verfügung der Königlichen Regierung zu Coblenz vom 2. April 1905 wurde wegen
der fortdauernd sinkenden Schülerzahl die hiesige Halbtagsschule in eine einklassige Schule
verwandelt. Seit Ostern 1905 wird also wieder Ganztagsunterricht erteilt.
Anlage einer Trifte zu einem Rasenplatze
Oberhalb des Schulhauses lag seit undenklichen Zeiten eine Fläche von 2 ha brach.
Selbige diente den Schafen und Schweinen, die damals hier ausgetrieben wurden, zur Weide.
Im Jahr 1903 raffte man sich endlich auf und begann, die öde Fläche urbar zu machen und zu
bewirtschaften. Es wurde im Gemeinderat beschlossen, die Fläche zu einer Wiese anzulegen.
Auf Anordnung des Herrn Kreiswiesenbaumeisters und des Herrn Direktors der
Landwirtschaftlichen Schule zu Bullay wurde die Bearbeitung des Platzes wie folgt
vorgenommen: Zunächst wurde der unebene und grasbewachsene Boden geebnet und
umgepflügt. Vor dem Pflügen gab man demselben eine Kalkdüngung. Im folgenden Jahre
wurde die Fläche mit Hafer und ein Jahr darauf mit Kartoffeln bepflanzt. Beide Ernten
brachten der Gemeinde eine schöne Einnahme. Im Frühjahr 1906 wurde der Platz wieder
gepflügt und mit Futterkräutersamen zur Wiese eingesät.
Beschaffung einer neuen Fahne
Die kleine Fahne unserer Kapelle war im Laufe der Zeit sehr schlecht geworden. Daher
wurde selbige am 29. Juni 1906 durch eine neue ersetzt. Diese stammt aus der Fahnenfabrik
Tigler aus Koblenz und kostet 35 Mark.
DER KIRCHBAU ZU PETERSHAUSEN
Die Kirche zu Petershausen, die gar manches Jahrhundert kommen und gehen sah -
denn nach Dr. de Lorenzi hat selbige schon im 13. Jhdt bestanden - war in Folge
ihres Alters so sehr vom Zahne der Zeit berührt worden, dass ihre Ergänzung
durch einen Neubau sich als dringende Notwendigkeit erwies. Auch waren ihre
Raumverhältnisse so sehr beschränkt - und ihr Inneres war feucht und ungesund.
Nachdem daher im Jahre 1897 das neue Pfarrhaus fertiggestellt und später die
Abtrennung unserer Filialkirche von der Pfarrkirche zu Lütz in Bahnen gelenkt
war, dachte man allen Erachtens an die Errichtung eines neuen Gotteshauses.
Erste Schwierigkeit: die Bauplatzfrage
Im Jahr 1896 kauften die Filialisten von der Kirchgemeinde Lütz ein Feld.
Selbiges sollte dem neuen Pfarrhaus und der zu erbauenden Kirche als Bauplatz
dienen. Das Feld ist 1 ha groß und zieht sich von dem Wege, welcher an der
nördlichen Seite des Kirchhofes liegt, nach der Lieger Straße hin.
Der Preis desselben betrug 1500 Mark auf dem südöstlichen Teile dieses
Platzes wurde das Pfarrhaus erbaut. |
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Der alte Kirchturm |
Als nun im Jahr 1900 die Zeit heranrückte, dass auch die neue Kirche in Angriff
genommen werden sollte, entstanden wegen des Bauplatzes zwischen dem Dorfe
Zilshausen einerseits und dem Dorfe Lahr und dem Hofe Petershausen andererseits
Meinungsverschiedenheiten, die beinahe zu einem ernsten Zerwürfnis zwischen den
Parteien geführt hätten.
Viele Bewohner von Lahr und dem Hof Petershausen wünschten die Kirche auf den
jetzigen Friedhof gestellt, und mit diesem Ansinnen erklärte sich auch Herr
Pastor Bender kurz vor seinem Weggang von hier einverstanden. Die Verlegung des
ursprünglichen Bauplatzes suchte man damit |
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zu motivieren, dass die Kirche an dieser Stelle wohl am
schönsten und bequemsten gelegen sei. Gott sei Dank! drang man mit solchen Gründen, die
recht stark den Egoismus ihrer Vertreter verrieten, nicht durch - und nach und nach wurde
eingesehen, dass es recht wenig pietätvoll gegen die Verstorbenen sei, ihre Ruhestätte auf
unnötige Weise zu verletzen. Als außerdem Sachverständige den Friedhof wegen seines
feuchten Bodens wenig als Bauplatz geeignet bezeichneten und auch der an Herrn Pastor
Benders Stelle nach hier versetzte Herr Pfarrer Mahson gegen den Bauplatz auf dem
Kirchhof sich erklärte, ließ man diesen Plan fallen.
Da die Gemüter sich aber immer noch nicht recht beruhigen wollten, wurde ein
Ausgleich dadurch herbeigeführt, als der Gutsbesitzer Herr Jos. Häbler eine Parzelle als
Bauplatz. schenkte. Dieses Feld hatte er sich kurz vorher von der Witwe Philipp Hehser in
Petershausen durch Tausch gegen eine Wiese angeeignet. Die neue Kirche, die anfangs mit
ihrer Längsachse in südnördlicher Richtung zu stehen kommen sollte, wurde jetzt so gebaut,
dass ihre Längsachse ungefähr in ostwestlicher Richtung liegt. Die Kirche steht also teilweise
auf dem ursprünglichen und teilweise auf dem von Herrn Häbler geschenkten Platze.
Projektion und Vergebung der Kirche
Das Projekt zu der neuen Kirche wurde von dem Architekten Herrn Peter Harx aus Trier
entworfen. Der Neubau wurde öffentlich vergeben, und seine Ausführung dem Maurermeister
Herrn Schott aus Bretzenheim übertragen.
Bau, Grundsteinlegung und Einsegnung der Kirche
Im Sommer 1903 wurde der Bau begonnen und im selbigen Jahr bis zur Fensterhöhe
fertiggestellt. Am 9. Okt. 1903 fand unter zahlreicher Beteiligung der Geistlichkeit und des
Volkes die Grundsteinlegung statt. Bis zum Herbst 1904 wurde die Kirche unterdacht, auch
konnte das Gewölbe noch gesetzt werden. Im folgenden Frühjahr und Sommer wurde der
innere Ausbau der Kirche fertiggestellt, so dass am 6. Aug. 1905 die feierliche Einsegnung
der neuen, im romanischen Stile erbauten Kirche stattfinden konnte. Der Bau unseres
Gotteshauses verlief glücklicher Weise ohne ein größeres Unglück. Ein kleiner Unfall
geschah beim Turmbau dadurch, dass aus dem Förderkorb herabfallendes Gestein mehrere
Arbeiter verletzte.
Die Altäre
Die drei Altäre stammen aus der Werkstätte des Altarbauers Joh. Hettler zu Hanbach,
Bezirk Trier. Der Hauptaltar ist ein Geschenk unseres Herrn Pastors Mahson. Er kostet 2600
Mark. Die beiden Seitenaltäre, die erst im Mai 1906 aufgestellt und eingesegnet wurden, sind
auch Geschenke. Der Josephaltar wurde von der Familie J. Häbler und der Marienaltar von
der Familie Hehser, beide wohnhaft zu Petershausen, gestiftet. Jeder der Nebenaltäre kostet
1200 Mark. Das Innere der Kirche
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Neue Kirchenstühle
Die Stühle aus der alten Kirche waren sehr schlecht und passten nicht in das neue
Gotteshaus. Es wurden daher 20 neue Stühle angeschafft. Dieselben wurden von dem
Schreinermeister Kneiß aus Beltheim angefertigt und kosten a Stück 75 Mark.
Stationen
Am 23. Juli 1906 erhielt unsere Kirche einen weiteren Schmuck. Es wurden die
restaurierten und neu eingerahmten Stationen aus der alten Kirche eingesegnet.
Gemalte Fenster
Im Chor befinden sich vier gemalte Fenster. Selbige enthalten Bilder, die sich auf das
Leben der Büßerin Maria Magdalena beziehen. Die Fenster stammen aus der Glasmalerei
Jansen aus Trier.
Wechsel der Lehrer
Durch Verfügung der Königliche Regierung zu Coblenz vom 6. Sept. 1906 wurde der
Lehrer Johann Henten zum 1. Okt. 1906 nach der Stadt Coblenz versetzt.
Die einstweilige Verwaltung der hiesigen Schulstelle wurde dem Schulamtskandidaten
Nink aus Dorsheim übertragen.
- Die Chronik wurde bis hier geführt durch JOHANN
HENTEN -
DAS JAHR 1907
Wechsel der Pfarrer
Herr Pastor Johann Mahson wurde am 1. Sept. 1907 nach Kudersbach an der Sieg
versetzt. An seine Stelle trat Herr Pastor Josef Christoffel, welcher bis dahin als
Kaplan in Betzdorf an der Sieg tätig war. Er ist gebürtig aus Trier.
DAS JAHR 1908
Feuersbrunst
In der Nacht vom 16. auf den 17. Februar ertönte um 2 Uhr die Brandglocke. Es
brannte in der Scheune des Gastwirtes Brodam. Diese wurde ein Raub der Flammen. Jedoch
das Haus, das auch schon brannte, wurde durch das tätige Eingreifen der Feuerwehr
gerettet.
Abnahme der schulpflichtigen Kinder
Im Jahr 1898 betrug die Zahl der Schulkinder 114. Deshalb ging man mit dem Gedanken
um, eine zweite Lehrerstelle zu errichten. Dieses unterblieb, da von diesem Jahre an die
Schülerzahl beständig fiel. Die Zahl der schulpflichtigen Kinder beträgt jetzt nur 56.
Diese Abnahme hat darin ihre Ursache, dass viele Familien von hier wegziehen. So sind
im Laufe von 10 Jahren 17 Familien nach den Industriestädten des Bezirkes Düsseldorf
gezogen. Diese Landflucht hat zur Folge, dass die Grundstücke der Gemarkung Zilshausen
trotz der guten Jahre im Preise sehr gesunken sind.
DAS JAHR 1909
Begebenheiten in der Schule
Am 19. Nov. erfolgte die endgültigeEinstellung des Schulverwalters Ludwig Nink. Nach
dem neuen Schulunterhaltsgesetz beträgt der Grundgehalt 1400 Mark. Die Alterszulagen
betragen in sieben Stufen 200 Mark und in zwei Stufen 250 Mark. Die Höhe der
Mietentschädigung beläuft sich auf 350 Mark.
Begebenheiten im Dorfe
Das Dorf Zilshausen liegt ungefähr zwei Stunden von einem größeren Orte entfernt.
Dieser Übelstand macht sich besonders bei Krankheitsfällen sehr bemerkbar. Bei
Unglücksfällen dauerte es daher immer einige Stunden, bis der Arzt zur Stelle war.
Jetzt ist dieses durch die Anlage eines Telephons beseitigt. Durch dasselbe sind wir mit
Carden an der Mosel und mit Kastellaun verbunden. Da jetzt die Ernten beendigt sind, hat
man eine schönen Überblick über den Ertrag des Jahres 1909.
Heu gab es wenig, da es in den Monaten Mai und Juni an Regen fehlte. Sehr bemerkbar
machte sich der Futtermangel im Juli. Die Bauersleute wussten kein Futter für das Vieh zu
bekommen. Um diesen Mangel etwas zu beseitigen, durften aus jeder Familie zwei Personen
in dem Walde Laub holen. Das Laub wurde mit Sicheln von den Bäumen geschnitten.
Der Futtermangel hatte zur Folge, dass das Vieh im Preise sehr zurückging. Zum Glück
trat aber bald Regen ein, so dass der zweite Schnitt sehr ergiebig wurde. Das Getreide stand
zwar sehr dünn, aber es enthielt viele Körner. Außerdem gab es auch viele Kartoffeln. Ein
alter Mann sagte mir sogar, dass es noch nie so viele Kartoffeln gegeben hätte.
DAS JAHR 1910
Begebenheiten im Dorfe - Alte Sitten und Gebräuche
Nicht nur an gewisse Tage und Feste des Jahres schlossen sich alte und schöne Sitten an,
sondern auch an Begebenheiten aus dem Familienleben: So zum Beispiel an die Geburt eines
Kindes, an die Taufe, die Hochzeit und den Tod eines Menschen.
Geburt und Taufe
War ein Kind geboren, so wurden die benachbarten Frauen in das Haus gerufen. Hier
erhielten alle zuerst Branntwein. Dann kochten sie sich selbst den Kaffee. Diese Frauen
gingen alsdann auch bei der Kindtaufe mit in die Kirche. Aus derselben gingen sie dann mit
dem Kinde in das Wirtshaus und tranken dort Wein. Manchmal wurde hier des Guten zuviel
getan. So wird folgendes Stückchen erzählt:
Aus einem kleinem Dörfchen wurde ein Kind in die entfernte Pfarrkirche zur Taufe
gefahren. Dort wurde dann auch in einem Wirtshause dem Wein tüchtig zugesprochen, bis
sämtliche Frauen betrunken waren.
Alsdann stieg man in den Wagen und fuhr nach Hause ohne den Täufling, den man in
dem Wirtshause vergessen hatte.
"Kindeskirmes"
Sie fand nach vierzehn Tagen bis drei Wochen statt. Diese wurde festlich begangen. Das
Essen bestand aus Erbsen, Sauerkraut und Schweinefleisch. Auch wurde dabei tüchtig
getrunken. Ging ein Mann oder ein Bursche an dem Hause vorbei, so nahm man ihm die
Mütze ab. Erst nach Entrichtung eines guten Trinkgelds erhielt er dieselbe wieder zurück. Das
Geld wurde dann von den Frauen vertrunken. Den Schluß einer solchen Kinderkirmes kann
man sich wohl selbst ausdenken!
Hochzeit
Hatte ein junger Mann das heiratsfähige Alter erreicht, so hielt er Umschau unter den
Dorfschönen. War seine Wahl gefallen, so begann das Freien.
Zu diesem Zwecke wurde ein älterer Mann mit in das Haus der Auserwählten
genommen. Hier sprach dieser zuerst mit den Eltern und dann mit der Tochter. Wurden sie
einig, so musste der Bräutigam ein Handgeld geben. Dieses richtete sich nach den
Vemögensverhälnissen der "Versprochenen" (3 bis 50 Mark).
Alsdann wurde Branntwein geholt und ein kleines Familienfest gehalten. Der
Freiersmann erhielt als Lohn eine "rote Hose" (Ein Trinkgeld bis zu 150 / 300 Mark).
Nach einigen Wochen gingen dann die jungen Leute auf das Standesamt. Am Abend
wurde dann die "Hillig" gefeiert. Die Verwandten und Bekannten wurden dazu eingeladen. Es
gab alsdann Wein und Kuchen. Die jungen Burschen stellten sich dann vor das Haus und
schossen mit Flinten und Pistolen.
Nach einiger Zeit kam dann der Bräutigam aus dem Hause und ging mit den Burschen in
das Wirtshaus. Hier gab er ihnen ein Fäßchen Bier. War dasselbe geleert, so gingen sie alle in
das Haus der Braut und erhielten dort auch Kaffee und Kuchen.
War die Braut aus einem anderem Dorfe, so kam sie einige Tage vor der Hochzeit
"gewandert". Der Bräutigam musste die Braut mit dem Wagen holen. Die Pferde wurden mit
Sträußen und Bändern geschmückt. Die jungen Burschen begleiteten den Bräutigam.
Kamen sie an das Haus, so wurde dort die Tür verschlossen. Der Bräutigam stieg vom
Wagen, nahm einen "Paß" in die Hand (einen Bogen Papier mit einer Bittschrift, worin der
Bräutigam um die Braut anhielt und seine Vorzüge hervorhob - und alles, was er der Braut
Gutes tun wollte). Diesen Paß las er vor der Türe ab. In dem Hause waren die Braut und ihre
Freundinnen. Zum Schluß riefen die jungen Burschen: "Die Braut heraus!". Alsdann kommt
ein vermummtes Mädchen heraus. Aller riefen dann: "Das ist die rechte Braut nicht, wir
wollen die rechte haben!". Jetzt kommt die richtige Braut. Der Bräutigam küßt die Braut und
führt sie dann in das Haus. Hier wird noch einmal tüchtig gegessen und getrunken. Dann
werden die Möbel auf den Wagen gebracht. Zuletzt besteigen alle den Wagen - und nun geht
es in die neue Heimat. Die Freundinnen der Braut fahren auch mit.
In den Dörfern, durch die sie fahren, wird der Wagen festgehalten. Dann muss der
Bräutigam Schnaps herausgeben, ehe er weiterfahren darf.
In der neuen Heimat haben sich die Mädchen und Burschen in das Haus des Bräutigams
eingeschlossen. Die Braut darf dann nicht herein, bis auch sie ihren "Pass" vorgelesen
hat.
Am folgenden Tage ist nun die Hochzeit. Das Braupaar wird von den Eltern und
Verwandten zur Kirche geleitet. Neben der Braut gehen die Brautleiter und die beiden Zeugen
(Seitenknechte) - der Bräutigam wird von zwei Mädchen geführt (Seitenmägde).
Ist man in das Haus zurückgekehrt, so werden die Brautleute beglückwünscht und in das
Zimmer geführt, wo der Hochzeitsschmaus stattfindet. Der Bräutigam muss während des
ganzen Tages die Gäste bedienen. Die Braut sitzt zwischen den Brautleitern. Diese müssen sie
bedienen und für sie sorgen.
Gern bringt man zum Scherz der Braut Knochen und andere ungenießbare Sachen. Diese
müssen die Brautleiter entfernen und für ordentliche Speisen sorgen. Auch muss die Braut
immer einen frischen Teller haben.
Die übrigen jungen Leute versuchen, der Braut die Schuhe auszuziehen. Daran werden
sie von den Brautleitern gehindert. Gelingt es ihnen trotzdem, so werden die Schuhe
versteigert. Da die Braut aber Schuhe haben muss, so müssen die Brautleiter die Ersteigerer
sein. Für das Geld wird Zuckerzeug gekauft.
Nach dem Mittagessen bringen die Hochzeitsgäste den Brautleuten ihre Geschenke. In
der Nacht bringen die jungen Leute lange Baumstämme und stützen damit das Haus. Bei
reichen Bauersleuten dauern diese Hochzeiten gewöhnlich zwei Tage.
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