Inhalt
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1923 |
1924/25 |
1925/26 |
1927 |
1928 |
1929 |
1930 |
1931 |
1932
DAS JAHR 1923
Schulangelegenheiten
Am 1.4.1923 wurde Herr Lehrer Schneider nach Meddesheim (Nahe) im Interesse des
Dienstes versetzt. Er war zur evangelischen Landeskirche übergetreten. Vom 1.4.23 bis 1.5.23
verwaltete Herr Lehrer Rosarius aus Lahr die hiesige Stelle mit.
Am 1.5.1923 wurde ich, Hanns Schneiders geb. zu Valwig, Mosel, mit der freien
Schulstelle hier betraut. Bereits am 23. Juni 1920 hatte ich in Münstermaifeld die erste
Lehrerprüfung nach Ordnung für Kriegsteilnehmer abgelegt. Ich war 2 1/2 Jahre im Felde
gewesen. Dennoch hatte meine stellenlose Zeit beinahe drei Jahre gedauert. Die letzten acht
Monate hatte ich im Ruhrgebiet als Maschinist zugebracht. (Auch eine traurige Folge des
Krieges.)
Die Schülerzahl betrug 81. An die Einrichtung einer zweiten Lehrerstelle ist hier gar
nicht zu denken. Die Schulverhältnisse boten hier ein trauriges Bild. In den letzten acht Jahren
ist hier überhaupt kein ordentlicher Unterricht mehr gehalten worden. Dazu die große
Kinderzahl (81). Der bis dahin bestehende Halbtagsunterricht wurde weiter beibehalten. Die
Schulwohnung wurde auf meine Veranlassung neu instandgesetzt. Eine Desinfektion des
Schulgebäudes war notwendig, da mein Vorgänger lungenkrank war. Überhaupt zeigt sich der
Gemeinderat bei Neuanschaffung etc. sehr nachgiebig. Ein großer Teil der inventarisierten
Geräte, Bücher etc. lagen auf dem Speicher in größter Unordnung. Der Garten war in
verwahrlostem Zustand.
Nach erfolgreichen Versuchen ist in hiesiger Schule die Sütterlinschrift im Juni 1923
eingeführt worden.
Vom 4. Dezember bis nach den Weihnachtsferien musste von Seiten des Landratsamtes
die Schule wegen epidemischer Verbreitung des Scharlachs geschlossen werden. Es starb ein
Schüler, Albert Pies, im Alter von 10 Jahren. Schwer erkrankt waren zirka 9 Kinder.
Am 11. Februar 1923 verbrannte ein Schüler in der elterlichen Wohnung. Der
unglückliche Hermann Zilles war einem Topfe kochenden Wassers zu nahe gekommen und
war am Oberkörper buchstäblich verbrüht. Unter allgemeiner Teilnahme wurde Hermann
Zilles unter reger Beteiligung der Schule zu Grabe getragen.
Lehrmittel werden trotz wiederholter Vorstellung nicht geliefert. Auch ist seit Jahr und
Tag keine Handarbeitslehrerin hier eingestellt. Es scheint so, als ob den Herren am
Bürgermeisteramt das nötige Verständnis für kulturelle Einrichtungen fehlte. Für das ganze
Winterhalbjahr musste mangels der nötigen Vorbildung den Kindern der Mittelstufe täglich
eine Stunde Nachhilfeunterricht erteilt werden. Infolge der mangelnden Ausbildung musste
Herr Pfarrvikar Goetz die Kinder im beichtpflichtigen Alter um ein Jahr zurückstellen.
Am Montag den 31. März 1924 kamen 6 Knaben und 4 Mädchen zur Schulentlassung.
Die Ferien begannen am Mittwoch vor Ostern den 16. April.
Ortsangelegenheiten
Die Jahre 1920 bis 1922 waren schlechte Erntejahre. Die Preise für sämtliche
Lebensmittel sind ständig im Steigen begriffen. Gehälter und Löhne halten mit der Steigerung
der Preise nicht mit.
Seit Anfang Dezember 1922 hat Deutschland den passiven Widerstand erklärt. Es ist
dieses eine neue Art des Krieges. Als zu Anfang Dezember 1922 französische und belgische
Truppen in das Ruhrgebiet einrückten, sah sich Deutschland veranlaßt, diesem Treiben auf
irgendeine Art zu begegnen und den beiden westlichen Nachbarn den Kampf anzusagen. An
einen Krieg mit den Waffen war von deutscher Seite nicht zu denken. Das Ruhrgebiet wurde
besetzt bis Dortmund - also bis ins Herz unserer Industrie. Mit dem Tage der Besetzung
hörten sämtliche Lieferungen an die Verbandsmächte (laut Versailler Vertrag) auf. Der ganze
Eisenbahnverkehr wurde eingestellt. Damit wurde der französischen Industrie ein
empfindlicher Schlag versetzt. Nicht zu unterschätzen ist aber auch die Rückwirkung auf
unsere eigene Industrie. Fast sämtliche Fabriken liegen still. Die Ausfuhr ist heute ganz gering
im Verhältnis zur Einfuhr.
Auch unsere engere Heimat leidet sehr. Auf jedem Dorf müssen eine ganze Anzahl
Leute, die sonst im Ruhrgebiet ihren Unterhalt suchten, heute als Notstandsarbeiter
beschäftigt werden.
Da ferner die Bahnen (Mosel- und Hunsrückbahn) nicht mehr verkehren, so leidet auch
die Geschäftswelt sehr darunter. Für Geld ist heute kaum etwas mehr zu haben. Die deutsche
Mark hat auch sehr an Kaufkraft verloren. Ein Ei kostet heute am 28. 7. 1923 den Preis von
10 000 Papiermark. Am 27.7.23 stand der Dollar bereits auf 530 000 Mark. Nach dem Dollar
richten sich sämtliche Preise. Korn und Weizen kosten heute bereits über 1 000 000 Mark pro
Zentner.
Seit dem Eingreifen der Franzosen ist bereits eine ganze Reihe von Personen in das
unbesetzte Deutschland ausgewiesen worden - unter anderen auch unser Landrat von
Cochem.
Am 1.5.23 fand man das Skelett einer Leiche im "Börzelt". Es hat sich herausgestellt,
dass sich genau ein Jahr vorher eine Person von hier daselbst durch Erhängen das Leben
genommen hatte.
Durch Arbeitslose wird zur Zeit die Kirche in Petershausen renoviert und gemalt. Die
dazu erforderlichen Mittel werden von der Regierung ausgeworfen. Ein Teil stammt auch von
freiwilligen Spenden hier.
Nachdem nun der Staat cirka neun Monate den passiven Widerstand aufrecht erhalten
hatte, musste er notgedrungen denselben aufgeben. Mittler Weile war unsere ganze Industrie
im Ruhrgebiet und im übrigen Deutschland vollständig lahmgelegt worden. Zahlreiche junge
Leute von hier, die dort ihr Brot verdienten, mussten ihr Arbeitsstätte verlassen, da sie von der
gebotenen Unterstützung nicht leben konnten.
Die politischen Verhältnisse im Rheinland sind zur Zeit auch sehr verworren. Mit
Gewalt sucht sich zur Zeit die Rheinische Unabhängigkeitspartei an die Spitze des besetzten
Gebietes zu stellen. An den Hauptplätzen wie Trier, Aachen, Coblenz, Mainz etc. wurde die
Rheinische Republik proklamiert.
Auch unsere Heimat wurde von den separatistischen Truppen nicht verschont. So musste
in Cochem beim Ausrufen der Republik ein Bürger der Stadt sein Leben lassen. Man hisst
aller Orte, die von Bedeutung sind, die Separatistenfahne grün-weiß-rot. Es scheint aber, als
ob die Separatistenführer die Gewalt gegenüber ihren Truppen verloren hätten, denn
Requisitionen und Ausschreitungen mit Waffengewalt sind an der Tagesordnung. Nachdem
nun der passive Widerstand aufgegeben ist, verlieren auch die Separatisten an Anhang.
Die Arbeit wird allerorts wieder aufgenommen. Die Regierung ergreift aufs neue
Sparsamkeitsmaßnahmen.
Mit dem Niedergang unserer Wirtschaft ging Hand in Hand das Sinken der
Markwährung. Mitte Dezember zahlte man für einen Dollar als höchsten Kurs 7,2 Billionen
Reichsmark. Die Regierung sucht nur durch Herausgabe einer neuen Währung, der
sogenannten "Rentenmark", die Reichsmark zu stützen - bis jetzt mit gutem Erfolg.
Tatsächlich ist die Mark bis Ende Dezember auf 4,2 Billionen pro Dollar gesunken und
seitdem stabil.Für uns Beamte war der Niedergang unserer Wirtschaft und der damit
verbundenen Markentwertung von den tragischsten Folgen. Es gab tatsächlich Zeiten, in
denen wir nicht in der Lage waren, das Porto für einen Brief aufzubringen. Seitdem nun der
Markstand stabil geworden ist, hat die Regierung die Beamtengehälter neu festgesetzt, wenn
auch nicht der Teuerung entsprechend. Augenblicklich gehen die Preise herunter. Damit
macht sich unter der Bevölkerung die Geldknappheit bemerkbar. Die Bevölkerung rechnet
seit längerer Zeit nur mit französischen Francs, Dollars etc. - nur nicht mit deutschem Gelde,
so dass man zeitweise nichts kaufen konnte. Heute ist deutsches Geld wieder begehrter.
Das Jahr 1923 war ein mittleres Erntejahr für Getreide, für Kartoffeln hier mäßig und für
Obst und Wein schlecht. Es war dieses eine Folge der schlechten Witterung. Spät- und
Frühfröste hatten großen Schaden angerichtet. Die Futterbestände hatten sich vermehrt, und
damit erreichte in diesem Jahre zum ersten Male der Viehbestand wieder seine Friedensziffer.
Manche Leute haben sogar mehr Vieh als vor dem Kriege. Besonders reich sind die Ställe an
Jungvieh. Die Schweinezucht liegt allerdings immer noch im Argen.
Infolge der Teuerung auf dem Textilmarkt sind die Leute gezwungen, mehr denn je
Flachs zu ziehen, der im Winter verarbeitet wird.
Der Winter dauerte lang und brachte reichlich Schnee und Eis zum Vergnügen für unsere
Jugend. Die ersten Gänseblümchen kamen am 23. März zum Vorschein. Die Anlage des
Elektrischen geht ihrem Ende entgegen. Man hofft, dass Ostern das elektrische Licht brennt.
Am Fastnacht-Montag kam es gelegentlich einer kleinen Feier in der Wirtschaft Brodam
durch Jungen aus Lahr zu einer wüsten Schlägerei. Die Sache wird wohl noch ein
gerichtliches Nachspiel haben.
DAS JAHR 1924/25
Schulangelegenheiten
Das neue Schuljahr begann am Dienstag den 29. April 1924. Neu aufgenommen wurden
5 Schüler und eine Schülerin. Die Schülerzahl beträgt immer noch 76.
Nach den Herbstferien wurde darauf hingewirkt, dass ab Weihnachten neue Lesebücher
eingeführt würden. Selbe sind nun zum größeren Teil beschafft, und zwar:
| | Jahre 5 - 8 : | | "Die Schatzkammer" |
| | Jahre 3 u. 4 : | | "Das goldene Tor" |
Die Bücher sind vom Organ des katholischen Lehrervereins zusammengestellt und
eigens für katholische Schulkinder bestimmt. Das erste und zweite Schuljahr bedienen sich
fortan beim Rechenunterricht der Rechenwürfelkasten zur näheren Veranschaulichung. Im
Leseunterricht bedienen sich die Kinder des ersten Jahres der Lesekasten. Sehr großes
Gewicht legt man auf
den sogenannten Arbeitsunterricht, das ist Selbstbetätigung der Kinder. Deshalb
verwenden die Kinder eine Knetmasse, das Plastelin, und den Sandkasten.
Der bis jetzt bei Sr. Bischöflichen Gnaden als Sekretär beschäftigte Dr. Peter Ketter ist
zum Professor für "neuere Philosophie" am Priesterseminar in Trier ernannt worden. Er ist ein
Sohn unseres Ortes und entstammt dem Hause Ketter, Balduinseck-Straße. Er wurde 1911
zum Priester geweiht.
Zu Ostern wurden sieben Knaben aus der hiesigen Volksschule entlassen.
Ortsangelegenheiten
Der 4. Mai war zur Neuwahl des Reichstags, des Gemeinderats und der
Bürgermeistervertretung bestimmt. Für den Reichstag waren wahlberechtigt 194 Stimmen.
Davon haben gewählt:
| | Zentrum | | 151 |
| | Völkisch-Sozial | | 3 |
| | Deutsche Volkspartei | | 6 |
| | Rheinische Wirtschaftspartei | | 5 |
| | Republikaner | | 1 |
| | Sozialdemokraten | | 2 |
| | Christlich-Soziale | | 2 |
Zur Gemeinderatswahl lagen drei Vorschläge offen:
| | 1. Vorschlag: | Pies |
76 Stimmen | 3 Sitze |
| | 2. Vorschlag: | Wendling |
55 Stimmen | 2 Sitze |
| | 3. Vorschlag: | Kneip |
35 Stimmen | 1 Sitz |
Für die Bürgermeisterwahl lag nur ein Vorschlag offen, er
galt somit als gewählt.
In der Zeit vom 1. Mai bis 10. Mai gingen hier starke Regenmassen nieder. Das Wetter
war rauh und kalt, so dass keine Kartoffeln gesetzt werden konnten. Auch die Saaten hatten
sehr darunter zu leiden. Den ganzen Sommer über regnete es sehr viel. Die stärkste Regenzeit
war während der Getreideernte. Das anhaltende Regenwetter hat auch ungeheuren Schaden
angerichtet. Eine Unmenge von Hafer, Roggen und Sommerraps sind buchstäblich auf dem
Felde verfault. Die Folge davon war, dass sehr viele Leute große Einbußen bei ihren
Einnahmen zu verbuchen hatten.
Der Staat sucht den Geschädigten durch Stundung von Steuern und Gewährung von
Krediten entgegenzukommen. Der ganze Kreis Cochem ist zum Notstandsgebiet erklärt
worden.
Die Kartoffelernte war reichlich. Heu und Knollen gediehen ebenfalls recht üppig. Zu
Anfang Juli wurde das elektrische Licht eingeschaltet. Seither sind wir auch im Genusse
dieser technischen Errungenschaft. In liebenswürdiger Weise hat der Gemeinderat
beschlossen, Installation und Lampen für die Lehrerdienstwohnung auf Gemeinderechnung
anbringen zu lassen.
Infolge Auflösung des Reichstages fand am 7.12.24 nochmals Neuwahl statt, so dass in
diesem Jahre zweimal gewählt wurde. Das Wahlergebnis war ein ähnliches wie am 4. 5. 24.
Der bisherige Reichskanzler Marx musste zurücktreten. Er entstammte der Zentrumspartei.
An seine Stelle trat der Volksparteiler Dr. Lutker.
Am 7. Februar fand die diesjährige Holzversteigerung statt. Die Preise waren bis 200 %
über den Friedenspreisen. So kostete 1 m Buchenscheitholz 20 - 25 Mark. Die Gemeinde
erzielte recht ansehnliche Beträge. Der ganze Erlös war ca. 9000 Mark. Davon sind nach
Abzug der Forstkosten ca. 6000 Mark reine Einnahme.
Nachdem sich die Verhältnisse im Ruhrgebiet gebessert haben, sind wieder zahlreiche
junge Leute von hier auf ihre frühere Arbeitsstelle zurückgekehrt. Augenblicklich sind 16
Einwohner am Niederrhein am Arbeiten. Es bedeutet dieses schon immerhin etwas für
unseren Ort. Der Hunsrücker ist am Niederrhein gern gesehen. Er gilt dort als sparsam und
arbeitstüchtig. In Friedenszeiten brachte der Briefbote ständig ansehnliche Summen ins Dorf.
Heute dürfte das bei einem Schichtlohn von 7 - 10 Mark auch wieder möglich sein. Die
Preise für Landprodukte sind entsprechend den Friedenspreisen etwas höher:
| | Roggen | 11 - 12 |
Mark |
| | Hafer | 8 - 9 |
Mark |
| | Butter | 1,8 - 2 |
Mark |
| | Eier | 0,10 - 0,14 |
Mark |
DAS JAHR 1925/26
Schulangelegenheiten
Zu Ostern 1925 erfolgte nur eine Neuaufnahme in der hiesigen Schule. Die Schülerzahl
erreichte somit einen Tiefstand von 69. Auch für 1925/26 wurde deshalb der
Halbtagsunterricht beibehalten. Am 25. Juni musste wegen epidemischen Auftretens der
Masern die Volksschule auf die Dauer von drei Wochen geschlossen werden. In dieselbe Zeit
fielen die Heuferien.
Auf Anordnung des Kreises ist in allen Landgemeinden, die zehn und mehr Knaben im
Alter von 14 - 17 Jahren haben, die ländliche Fortbildungsschule eingerichtet
worden. Der Schulbesuch ist obligatorisch.
Zilshausen begann den Unterricht am 25. Oktober 1925. Da die Nachbargemeinde
Lahr nur sechs Fortbildungsschulpflichtige hat so sind Zilshausen und Lahr
vereinigt worden.
Schulleiter ist der jeweilige Lehrer in Zilshausen. Er kann nach freiem
Ermessen den |
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Klassenbild von 1925 |
jeweiligen Kollegen aus Lahr am Unterricht
teilnehmen lassen. Der Unterricht findet an drei Abenden zu je zwei Stunden statt.
Vereinbart wurde, dass der Kollege in Lahr zwei Stunden übernimmt.
Für Unterrichtsraum, Licht und Heizung haben die Gemeinden aufzukommen. Die
Bezahlung für geleistete Stunden erfolgt monatlich, und zwar nachträglich an der
Gemeindekasse. Die Schülerzahl verteilt sich wie folgt:
Zilshausen 20 und Lahr 7.
Die Schüler selbst haben ein vom Kreistag festgesetztes Schulgeld zu entrichten. Für
Bücher und Hefte haben die Schüler selbst zu sorgen.
Angeschafft wurden für den Schulunterricht:
* eine neue Wandtafel
* eine Deutschlandkarte von Harms
* drei Anschauungsbilder für den Geschichtsunterricht
* ein Sandkasten
* vier Lesebücher
* ein Diözesangesang- und Gebetbuch
* ein neuer Katechismus
* einige Handbücher nebst Büchern für die Schulbibliothek
Seit Versetzung des Herrn Pfarrer Goertz ist einmal Religionsunterricht in der Woche
nach dem Gottesdienst in der Pfarrkirche. Die zweite Stunde wird durch den Lehrer in der
Schule gehalten.
Bisher hatte die Haushälterin des Herrn Pfarrer Goert den Handarbeitsunterricht gegen
eine Vergütung von 120 Mark pro Jahr übernommen. Diese Stelle ist ab 1. 12. 1925 an eine
Frau Theisen, die das Nähen gelernt hat, gegen eine Vergütung von 100 Mark vergeben
worden. (wöchentlich 2 Stunden)
Ostern 1926 wurden 16 Kinder aus der Volksschule entlassen. Am 2. Juni legte Herr
Lehrer Schneiders die zweite Lehrerprüfung an der hiesigen Schule ab. Die Schülerzahl ist
auch dieses Jahr wieder gesunken.
Ortsangelegenheiten
Der Winter ist als äußerst milde zu bezeichnen, so dass Kohl und andere Grünpflanzen
draußen überwintern können. Auch an Frühfrösten hatten die Saaten wenig zu leiden. Nur zu
Anfang März kam zur Freude der Jugend der erste Schnee. Seit einiger Zeit bringen die Leute
ihre Landesprodukte wieder wie vor dem Kriege zum Wochenmarkt nach Kastellaun. Es
kosten die Eier 10 Pfennig, die Butter 1,70 Mark. Diese Preise sind gegenüber der Kaufkraft
unserer Währung angemessen.
Am 28. Februar starb der Herr Reichspräsident Ebert. Bei der Neuwahl wurde im zweiten
Wahlgang der im Weltkrieg hochverdiente Generalfeldmarschall von Hindenburg gewählt.
Sowohl im ersten als auch im zweiten Wahlgang entfielen hier die meisten Stimmen auf den
Zentrumskandidaten Marx.
Am 28. Februar fand die Wahl des Kirchenvorstandes statt. Unsere Kirchengemeinde ist
eine Vikarie. Da nun das Grundkapital (ca. 40.000 Mark) der Inflation anheim gefallen ist, so
müssen die Pfarreingessenen selbst den Vikar unterhalten. Ich habe danach an Pfarrgehalt
monatlich 3,50 Mark aufzubringen bei einem Anfangsgehalt von 230 Mark und dazu noch die
Kirchensteuer.
Infolge der äußerst günstigen Witterung seit 30.3.1925 ist der Stand der Feldfrüchte zu
Ende April sehr günstig.
Am 28.5.1925 wurde in unserer Pfarrkirche das Sakrament der heiligen Firmung für 45
Knaben und 47 Mädchen aus der Pfarrgemeinde gespendet. Zum ersten Male empfing der
hochwürdigste Herr Weihbischof Dr. Münch die Lehrperson in besonderer Audienz.
An dem selben Tage setzte ein allgemeiner Landregen ein, der den ganzen Juni dauerte.
Dann folgte wieder allgemeine Trockenheit. Im Laufe des Sommers gab es sehr viele und
schwere Gewitter. Der Spätsommer brachte wieder reichlich Regen, der bis zum Oktober
dauerte. Das Jahr 1925 ist als ein gutes Erntejahr zu bezeichnen. Insbesondere gerieten
Kartoffeln und Knollen sehr gut. Andererseits sind die Preise sehr niedrig und liegen teilweise
unter den Gestehungskosten. Dieses liegt in der Hauptsache an der gesamten Wirtschaftskrise.
Vile von den in der niederrheinischen Industrie beschäftigten Ortseingesessenen sind infolge
Arbeitsmangel entlassen. Der beschäftigungslose Arbeiter erhält eine sogenannte
Arbeitslosenunterstützung. Die Gemeinde hat hiervon ein Neuntel zu tragen.
Da aber die Gemeindevertretung die Zahlung dieses Anteils abgelehnt hat, so erhält hier
auch niemand Arbeitslosenunterstützung, obschon sie mancher bitter nötig hätte. Die
Arbeitslosen
müssen in der Woche drei Tage arbeiten und somit könnte man in Zilshausen manche
produktive Arbeit für wenig Geld geleistet bekommen. Anscheinend gönnt man aber den
Leuten die Unterstützung nicht.
Am 25. Juli fand die Jagdverpachtung statt: Preis 710 Mark.
Am 8. November fand die Einweihung der neuen Moselbrücke Treis-Karden statt. Sollte
nun auch die projektierte Straße Treis - Kastellaun ausgebaut werden, so wäre damit ein
gewaltiger Fortschritt zur Erschließung der Ortschaften Lieg, Lahr und Zilshausen getan.
Am 11.11.1925 verließ der um die Pfarrei Petershausen hochverdiente Pfarrer Goertz
seinen hiesigen Wirkungskreis, um seinen neuen Wirkungskreis in der Pfarrei Illerich
anzutreten. Er hat sich besonders um die Ausmalung der Kirche in Petershausen sehr verdient
gemacht und erfreut sich allgemeiner Beliebtheit. Sein Werk ist auch die wunderbare
Altarbeleuchtung. Die Mitverwaltung der Kapellengemeinde Petershausen hat einstweilen
Herr Pfarrer Schuh aus Lieg übernommen.
Mitte November begann man mit dem Bau der Wasserleitung. Den Bau hat eine Firma
aus Höhr übernommen. Der Kostenanschlag beläuft sich auf ca. 50.000 Mark. Ob sich ein
solches Unternehmen jemals rentabel gestalten wird, darüber mag die Nachwelt entscheiden.
Am 11. November stellte sich der Frost ein, und am 13. November fiel der erste Schnee.
Am 15. Dezember trat unerwartet, infolge föhnartiger Südwestwinde, die Schneeschmelze
ein. Gleichzeitig gingen starke Regenmassen nieder, die aus einem Gelände von 1 qkm ca.
80.000 cbm betragen haben sollen. Die Folge davon war, dass sich die meisten Keller mit
Wasser füllten. Die Mosel trat über ihre Ufer und erreichte am Sylvesterabend 1925/26 einen
Hochstand, wie er seit 1784 nicht wieder gemessen wurde. An der Mosel ist der Schaden
ungeheuer. Dieses ist für die Weinbauern, die sich auch in einer schweren Absatzkrise
befinden, doppelt schlimm und wirkt sich auch nach hier aus. Ein altes Sprichwort besagt:
"Hon de Muselaner kei Geld, dann ha mir zweimal keins".
Beim Bau der Wasserleitung deckte man auf dem alten Friedhof ein Massengrab auf. ca.
1/2 Meter unter der Erde stieß man auf die Knochenreste von etwa 13 Personen. Man fand eine
Seidenmütze, eine Nickelmünze mit der Jahreszahl 1694 und eine Basaltkugel. Letztere
befindet sich in der Schule.
DAS JAHR 1927
Schulangelegenheiten
Ostern 1927 wurden 17 Kinder entlassen und 8 aufgenommen.
Die Schülerzahl beträgt zur Zeit 56. Sie betrug vor vier Jahren noch 84 bei meinem
Dienstantritt. Aus diesem Grunde wurde die bestehende Halbtagsschule wieder in eine
einklassige umgewandelt.
Am 17. November wurde in der Schule ein Elternabend abgehalten. Einzelne Kinder
trugen Gedichte vor. Mit Hilfe eines geliehenen Lichtbildapparates konnten Bilder aus den
verschiedensten Teilen Deutschlands gezeigt werden. Entlassene Knaben der
Fortbildungsschule beteiligten sich an Gesangs- und humoristischen Darbietungen, so dass
man allgemein mit dem Wunsche "Auf Wiedersehen" schied.
Am 3. Dezember hielt der China-Missionar Pater Hesser einen längeren Vortrag anhand
von Lichtbildern über seine Missionstätigkeit in China hier im Schullokale, der mit großem
Beifall aufgenommen wurde.
Ortsangelegenheiten
Das Jahr 1927 brachte uns die Vollendung der Wasserleitung. In der Schule wurden
zwei Krahnen angebracht, einer in der Küche der Dienstwohnung und einer im Hausflur als
Trinkstelle für die Schulkinder.
Der Sommer 1927 war sehr ergiebig an Niederschlägen, so dass die Ernte den Leuten
sehr viel Arbeit verursachte. Trotzdem waren die Erträge an Getreide, Kartoffeln und Obst
sehr gut zu benennen.
DAS JAHR 1928
Schulangelegenheiten
Ostern 1928 wurden 8 Kinder aus der Volksschule entlassen und 7 neue aufgenommen,
so dass die Schülerzahl noch 55 beträgt.
Mit den Schülern der Fortbildungsschule machte der Lehrer am Himmelfahrtstage eine
Radtour nach Simmern zur Domäne. Dieselbe wurde besichtigt nebst den Versuchsanlagen.
Ich glaube, dass den Jungen dadurch manche Anregung mit auf den Weg gegeben wurde.
Ein neuer Spiel- und Sportverein in Zilshausen
In diesem Jahre wurde am 1.Mai ein
neuer Spiel- und Sportverein mit mit 28
Mitgliedern ins Leben gerufen. |
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einstige Zelser Fußballmannschaft |
Am 20. Mai fanden die Wahlen zum Land- und Reichstags
statt. Von 181 Wahlberechtigten haben 141 gewählt und zwar:
| | Zentrum | 112 |
| | Deutsche Volkspartei | 1 |
| | Greber Partei | 11 |
| | Nationalsozialisten | 1 |
| | Deutsche Bauernpartei | 3 |
| | Deutschnationale Partei | 8 |
| | Sozialdemokraten | 5 |
Da in diesem Jahre die Elternbeiratswahlen stattfanden, aber nur ein Wahlvorschlag
einging, so war dieser als gewählt zu betrachten.
Im amtlichen Schulblatt vom 1. Juli 1928 lesen wir: "Zum 1. Juli 1928 ist der
Schulaufsichtsbezirk Kastellaun wieder eingerichtet. Er umfasst die Schulen der
Bürgermeistereien Castellaun, Blankenrath, Obergondershausen, Pfalzfeld und der Gemeinde
Lahr, Lieg, Zilshausen und Mörsdorf von der Bürgermeisterei Treis".
Ortsangelegenheiten
Am 19.10.1928 wurde unsere seit drei Jahren vakante Pfarrstelle wieder besetzt. Im reich
geschmückten Auto wurde der hochwürdige Pastor Schnepp in Lieg abgeholt und am Eingang
von Petershausen von der Prozession durch Gedichte der Kinder begrüßt.
Herr Schnepp war bisher Pfarrer in Kärnten und war als geistlicher Schriftsteller tätig. Im
Jahre 1927 erschien von ihm: "Mit Gott allein" (Verlag Herder in Freiburg) , 1928 "Im
Wunderreich des Glaubens" (Verlag H. Rausch, Freiburg), wurde in Österreich Priester und
blieb dort mit Unterbrechungen bis ihn der Drang zur Heimat zurücktrieb. Möge ihm
Petershausen zur Heimat werden.
Der Winter 1928/29 soll der kälteste seit 100 Jahren gewesen sein. Im Schulhaus wurden
am 12.2.1929 morgens 8 Uhr 19 Grad Kälte gemessen. Ein Glück ist es, dass reichlich Schnee
liegt. Bis zum 12. März schwankte das Thermometer zwischen minus 8 und minus 24.
Eis und Schnee verschwanden langsam ohne Regen. Doch wurde beim Abgang durch
erhebliche Nachtfröste viel Schaden an den Saatfeldern angerichtet.
Von Weihnachten bis Fastnacht musste der Lehrer bei grimmiger Kälte den Herrn Lehrer
Busch in Corweiler vertreten. Herr Busch war krank und musste ein Krankenhaus in Coblenz
aufsuchen. Für den Lehrer in Zilshausen war dieses eine weitere Belastung, da Zilshausen
eine starke Klasse hat und der Lehrer nebenbei allein den Fortbildungsschulunterricht erteilen
muss.
DAS JAHR 1929
Feuerbrände
1929 brannten hier die Anwesen von Peter Arend und Johann Zimmer vollständig
nieder. Die meisten Leute waren gerade in der Kirche im Hochamt. Der Pastor predigte
gerade über die Vergänglichkeit alles Irdischen, als die Leute benachrichtigt wurden. Man
kam zu spät. Nur das Vieh und etliche Möbelstücke konnten gerettet werden, während die
ganze Ernte mit vernichtet wurde. Peter Arend hatte erst tags vorher seinen Bau vollendet. Die
Ursache des Brandes liegt im Dunkeln.
Arend baute an dieselbe Stelle ein schönes neues Haus. Zimmer baute sich an anderer
Stelle wieder an.
Seit dem Kriege sind somit vier neue Häuser entstanden. Sie gehören: Friedrich Pies,
Witwe Zimmer. An vielen Häusern sind erhebliche Änderungen vorgenommen worden. Das
Dorfbild gewinnt zusehends.
Seit dem 15.9. haben wir Postautoverbindung nach Carden und Kastellaun. Das Auto
fährt täglich zweimal. Damit wird auch unsere Gegend endlich dem Verkehr erschlossen.
Am 22.3. trugen wir unseren verehrten hochwürdigen Herrn
Pfarrer Schnepp zu Grabe.
Am 10.11. hielt der Lehrer einen Vortrag über die kommenden Wahlen zum
Gemeinderat, Amtkreistag und Provinziallandtag. - Die Versammlung war gut besucht.
Am 5. 12. hielt der Lehrer einen Vortrag über Düngungsfragen, desgleichen am 24. 1.
1930 einen solchen über die Rentabilität der Schweinezucht und Schweinemast. Beide
Vorträge waren gut besucht und wurden mit Beifall aufgenommen.
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Altes Foto von der Zelser Dorfstraße 1925 |
DAS JAHR 1930
Schulangelegenheiten
Am 1. April wurden 6 Kinder entlassen und 9 aufgenommen. Die Schülerzahl beträgt
jetzt 53. Ein Elternbeirat wurde nicht gewählt. Es war kein Wahlvorschlag eingegangen und
zu den Wahlversammlungen niemand erschienen.
Ortsangelegenheiten
Am 24.6. weilte der hochwürdige Herr Bischof Bornewasser in Petershausen, um die
Firmung zu spenden. Es wurde ihm ein festlicher Empfang bereitet. Nach der Spendung des
Sakraments wurden die Lehrpersonen empfangen und hatten mit dem hochwürdigen Herrn
eine kurze Aussprache. Nachdem unsere Pfarrei seit 22. März verwaist war, wurde am ... der
neue Pfarrer eingeführt. Die Gemeinde hat ihn festlich empfangen. Schulkinder begrüßten ihn
durch Gedichte. Der jetzige Pfarrer heißt Johann Krämer und war bisher Kaplan von
Wallerfangen an der Saar.
Am 7.9.1930 fand im hiesigen Schulsaale eine Zentrumsversammlung statt. Den Vorsitz
führte Herr Pastor Schuh aus Lieg. Das Hauptreferat hatte der Herr Lehrer Schneiders
übernommen.
Am 15.9. fanden die Neuwahlen zum Reichstag statt.
| | Ergebnis: | Zentrum | 142 |
| | Nationalsozialisten | 10 |
| | Christlich nationale Bauern | 2 |
Das Zentrum hatte gegen 1928 dreißig Stimmen gewonnen.
Am 11.12 war eine Abordnung der Regierung hier zwecks Besichtigung des
Schulhauses. Die Lehrerwohnung wurde als zu klein und feucht befunden. Von
Regierungsseite wurde der Vorschlag zu einem Erweiterungs- und Umbau gemacht. Die
anwesende Gemeindevertretung erklärte sich mit dem Plan einverstanden, wenn ein
genügender Staatshilfenbeitrag geleistet werde.
DAS JAHR 1931
Das Jahr 1931 stand unter einer schweren Wirtschaftskrise. Alle im Ruhrgebiet tätigen
jungen Leute sind im Laufe des Jahres wegen Arbeitslosigkeit heimgekommen. Teilweise
erhielten sie Arbeitslosenunterstützung.
Die Viehpreise sanken während des Jahres unter den Friedenspreis, obschon die
Regierung alles tat, um eine Agrarkrise zu vermeiden.
Um der erwerbslosen Jugend über die schwere Zeit hinwegzuhelfen, wurde wöchentlich
abends von Seiten des Lehrers belehrende Vorträge gehalten, die jeweils gut besucht waren.
Der Pfarrer sammelte die Jugendlichen im Jungmännerverein. Mit dem Einüben von
Liedern, Theaterstücken, durch belehrende Vorträge etc. suchte auch dieser den guten Geist in
der Jugend zu erhalten und zu vertiefen.
Der Barromäusverein wurde ebenfalls als Schutzmittel gegen schlechte Literatur neu ins
Leben gerufen.
Ostern 1931 haben wir 59.Schüler in Zilshausen.
Vor Ostern wurde ein Elternabend in der Schule abgehalten. Nach der Begrüßung durch
den Lehrer veranstaltete die Schule eine Frühlingsfeier. Lieder, Gedichte und Sprechchöre
wechselten ab. Zum Schlusse dankte Pfarrer Krämer den Eltern und den Kindern für die rege
Anteilnahme. Er mahnte zum Zusammenarbeiten zwischen Schule, Kirche und Elternhaus.
Der geplante Um- und Erweiterungsbau der Schule Zilshausen konnte in diesem Jahr
wegen der allgemeinen Finanz- und Wirtschaftskrise nicht ausgeführt werden.
In diesem Winter wurde der Fortbildungsschulunterricht in der Schule zu Lahr erteilt.
Die Schüler von Zilshausen, Lahr und Lieg (25) sind dort vereinigt worden. Den Unterricht
erteilten: Lehrer Schneiders Zilshausen, Lehrer Piesick Lahr und Pfarrer Krämer
Petershausen.
Heimatgeschichtliches
Der alte Turm in Petershausen stammt aus dem Jahre 1447. Das Kreuz an dem Brunnen
mit den beiden Kastanienbäumen wurden 1813 nach Abzug der französischen Truppen durch
einen Landwirt Hammes errichtet. Besagter Bauer soll durch die französischen Truppen viel
Schaden gehabt haben und aus Dankbarkeit gegen Gott das Kreuz errichtet haben.
Wie die Tradition behauptet, soll früher im Distrikt "Fröserdell" ein großer Bauernhof
gestanden haben. Dieser wurde der "Fröserhof" genannt. Beim Bau der Wasserleitung wurden
hier mehrere Hufeisen von Mauleseln gefunden. Vielleicht ist das Gehöft im Mittelalter
untergegangen. Im Geschichtsatlas von Fabricius ist er jedenfalls nicht erwähnt. Noch heute
sieht man einen gemauerten Brunnen dort. Mauerreste sind im Laufe der Zeit öfters dort
aufgedeckt worden.
Ein Flurdistrikt führt noch heute den Namen "Am Siechhäuschen". Lebra- und
Pestkranke wurden im Mittelalter hier untergebracht. Im späteren Mittelalter waren sie
vielfach ein Schlupfwinkel für Räuber und anderes Gesindel.
Heimatliche Schönheiten: Am Wasserfall
Zu jeder Zeit bin ich dort gewesen, und immer sah er anders aus, und doch mag ich
mich nicht entscheiden, wann er mir am besten gefiel.
Zur Osterzeit läuteten an allen Ecken und Hecken die Haselnuss-, Erlen- und
Weidekätzchen den Frühling ein; dann schmolzen dort die letzten Kristalle des
Eispalastes. Bald öffneten sich die Knospen von Buchen, Eichen und Schlehen, und
Merlen und Finken übten schon ihre Mailieder zu Ehren der Gottesmutter die
jenseits im stillen Dorfkirchlein zu Mörz seit hunderten von Jahren die Bitten
stiller Wallfahrer erhört. Dann machte unser Bächlein einen feinen Hopser über
den wohl 10 m hohen Felsen.
Im Sommer reiften hier Himbeeren und Brombeeren. Kinder krochen dann durch
das Geäst und heimsten die reifen Beeren ein. In den warmen Nächten aber schlugen
hier emsig die Nachtigallen ihre melodischen Tonreihen.
Das Bächlein wurde von Tag zu Tag dünner, bis zuletzt nur mehr perlende
Tropfen von Stein zu Stein krochen - es reichte nur mehr um die durstigen Kehlen
der Sänger aus dem Busch zu kühlen. |
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Man(n) posiert am vereisten Zelser Wasserfall |
Im Herbste lagen, wie goldene Flitter, die letzten Sonnenstrahlen im Wasser. Dann
trieben wie kleine Schifflein die bunten Blätter zu Tal in die weite Welt.
Groß und feierlich aber sah der Wasserfall erst im Winter aus, wenn es hier einsam
geworden war. Kein Fink war dann mehr zu hören. Kein Stein, kein Schaum, kein
Wellengekräusel war mehr zu sehen. Gräser, Sträucher und Bäume standen dann Eis
gepanzert oder waren dann mit glitzerndem Rauhreif überdeckt - gerauscht hat dann das
Wasser auch nicht mehr. Dann war der Fall in einen Eisberg verwandelt. Dicke Eisschichten
hingen an den Wände herunter; zu mancherlei sonderbaren Figuren war das Wasser im Fallen
gefroren.
Zwergmännchen und Töchter meinte man zu sehen. Stundenlang konnte ich dann hier
stehen, und es war kein Laut zu hören, nur vereinzelt schrie ein Vogel im Geäst, heulte ein
hungriger Fuchs in den Felsen jenseits, und der Schlag einer Axt hallte durchs Tal. Unser
schönster Vogel, der buntschillernde Eisvogel, gab sich dann auch hier ein Stelldichein. Trat
aber Tauwetter ein, so war es mir, als hörte ich feines Klingen und Singen im Eis
Kam das aus den Eiszapfen, die wie Orgelpfeifen von dem Fels herabhingen und so dick
wie die Osterkerze waren, oder stimmte man drinnen schon den Auferstehungschoral an?
DAS JAHR 1932
Schulangelegenheiten
In der Nacht vom 6./7. Oktober 1932 wurde in der Lehrerdienstwohnung ein Einbruch
verübt. Der Lehrer weilte zu dieser Zeit in den Ferien in seiner Heimat an der Mosel. Die
Diebe stiegen durch das Küchenfenster, welches nach dem Hofe zu liegt, in die Wohnung ein
und stahlen Sachen im Neuwert von rund 2000 Mark. Unter anderem nahmen sie das gesamte
Bettzeug mit. Die Schränke waren größtenteils entleert. Eine größere Anzahl amtlicher
Schulblätter, die im Schreibtisch verwahrt wurden, war verschwunden. (Vielleicht wurden sie
zum Einwickeln des Porzellan verwandt.) Der Schaden ist größtenteils durch Versicherungen
gedeckt. Von den Tätern fehlt jede Spur, außer Fingerabdrücken. Die Nachbarn hatten von
den Einbrechern nichts gemerkt. Die Sachen müssen wohl mit einem Fahrzeug fortgeschafft
worden sein. In den Herbstferien wurden noch sechs weitere Lehrerdienstwohnungen im
Hunsrück erbrochen.
Nach den Herbstferien wurden drei Kinder nach hier überwiesen. Zwei Mädchen namens
Zorn wurden von der bekenntnisfreien Schule Duisburg-Meiderich überwiesen. Die Eltern,
welche auch nach hier verzogen sind, erklärten, dass ihre Kinder nicht am Religionsunterricht
teilnehmen dürften. Der Vater gibt sich als Kommunist aus und ist aus der katholischen
Kirche ausgeschieden. Er hat auch die hiesige Schule besucht. Die Mutter ist protestantisch.
Die Kinder sind somit vom Religionsunterricht befreit. Ein Zeitbild aus der Rückwanderung
von der Großstadt zum Lande! Nun besuchen bereits sieben Kinder aus dem Industriegebiet
die hiesige Schule. Neue schwere Aufgaben stehen dem Lehrer bevor. Für solche Fälle müsste
der Gemeinde das Recht zustehen, dass sie die Aufnahme verweigern würde. Was ist es denn
anderes, als eine Zellenbildung der Kommunisten in den Landgemeinden? Jedenfalls werde
ich mich einer Zellenbildung im Ort, wie in der Schule mit allen Mitteln widersetzen.
Ortsangelegenheiten
Das Volk wird von einer Wahl in die andere getrieben. Eine Regierung löst die andere
ab. Bezeichnend für das Zeitbild ist, dass auch an unserem Orte die Zahl der
Nationalsozialisten steigt. Zwar findet keinen diesbezügliche Versammlung statt. Für den
Beamten ist es nicht möglich, sich der nationalsozialistischen Bewegung anzuschließen,
wenigstens nicht bis Mitte des Jahres. Er setzt sich damit der disziplinarischen Verfolgung
aus.
Es kann unmöglich so weitergehen. Von Tag zu Tag steigt die Zahl der Erwerbslosen.
Die Zahl der Kommunisten wächst - auch hier am Orte. Oh Gott bewahre uns vor
Bürgerkrieg und einem Schicksal Russlands! Das Bürgertum schläft und erkennt seine Stunde
nicht. Es liegt etwas in der Luft. Wann kommt der Retter? Nationale Männer nehmen den
Kampf auf mit den terrorisierenden Kommunisten. Kein Tag vergeht, an dem nicht
wenigstens 1/2 Dutzend Erwerbslose an der Türe um eine milde Gabe flehen. Täglich
übernachten solche im Backhause. Eine traurige Weihnacht steht vor der Tür.
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